Langstreckenläufer aus Wien

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droba
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Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von droba »

Hallo Uhrenfreunde,

hier Bilder eines Regulators mit 5-jähriger Laufzeit aus dem Wiener Uhrenmuseum.(die Laufzeit habe ich allerdings nicht überprüft!)

Der Hersteller war Eduard Wensch in Wien, der sich diese Konstruktion um das Jahr 1900 patentieren ließ und diese Uhr auch angefertigt hat.

Die Uhr hat ein gigantisches Feder-Winkelgetriebe, das sich in dem auffallend hohen Sockel befindet. Der Aufzug erfolgt durch die Seitenwand mit einer Kurbel. Die Kraft wird über eine Welle und ein weiteres Winkelgetriebe nach oben in das Uhrwerk geleitet.

Bild

Das Federhaus dürfte ca. 10 cm Durchmesser haben, bei einer Federbreite etwa 5cm. Die Welle erkennt man als dünnen Messingstab vor dem Pendel.

Bild

Eine sehr interessante Konstruktion! Mich würde aber interessieren, welche Kraft letztendlich im Werk ankommt und wie konstant diese Kraft ist. Denn von der Konstanz der Kraft hängt ja auch die Genauigkeit ab. (Und ich wollte keinesfalls in der Nähe sein, wenn die Feder dieser Uhr reißt!)


droba
KleineSekunde
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von KleineSekunde »

Hallo droba,

wieder eine sehr interessante Uhr, die du uns zeigst!
droba hat geschrieben:...welche Kraft letztendlich im Werk ankommt und wie konstant diese Kraft ist.
Ohne die Details zu der Konstruktion / zur Begrenzung / Regulierung der Federkraft zu kennen, würde ich zunächst dazu tendieren, zu sagen, dass sie - auch aufgrund der vorgesehenen, sehr langen Laufzeit - nicht sehr gleichmässig ist. Aber vermutlich gab es "Korrekturmaßnahmen". Hättest du weitere Informationen diesbezüglich?

Die "Tetzi-Uhr" beispielsweise mit den weiteren Detailinformationen zum Patent / zu den Konstruktionsdetails wird ja auch immer interessanter...

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde
steffl62
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von steffl62 »

Wow! :o
Ein wirklich hoch interessantes Stück. Vielen Dank fürs Vorstellen!
Sowas passt genau in unser Beuteschema. ;)

lg Christian
.
Fragen, Korrekturen und Ergänzungen zu meinen Beiträgen sind ausdrücklich erbeten und gewünscht!
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Der_Stromer
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von Der_Stromer »

@ Droba: Vielen dank fürs Zeigen. Wieder was "Neuse".

@ Christian: Abwarten. Ich bin auch noch da :mrgreen:
Hallo aus der Oberpfalz
Rolf-Dieter, der Stromer

http://www.rolf-dieter-reichert.de
janekp
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von janekp »

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droba
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von droba »

Hallo Jan,

ich sehe, Du kennst die Uhr von Wensch auch. Und prima, dass Du sogar ein Foto des Aufzuges im Sockel zeigen kannst-davon ist mir kein Foto geglückt! Ob die anderen Hinweise auch auf Wensch zu beziehen sind, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich will es aber nicht ausschließen.

@Guido,

eine Vorrichtung um den Kraftfluss des Antriebes für dieses Uhrwerk konstant zu halten, erkenne ich nicht und ich habe auch Zweifel, ob das technisch überhaupt geht.

Ich denke aber, dass bei vollem Aufzug ausgesprochen hohe Kräfte auf das Werk einwirken, die sich mit nachlassender Federspannung dann wieder stark abschwächen. Ich kann das aber nur vermuten.

droba
KleineSekunde
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von KleineSekunde »

Hallo,
droba hat geschrieben:@Guido, eine Vorrichtung um den Kraftfluss des Antriebes für dieses Uhrwerk konstant zu halten, erkenne ich nicht und ich habe auch Zweifel, ob das technisch überhaupt geht.

Ich denke aber, dass bei vollem Aufzug ausgesprochen hohe Kräfte auf das Werk einwirken, die sich mit nachlassender Federspannung dann wieder stark abschwächen. Ich kann das aber nur vermuten.
Ja, diese Zweifel habe / hätte ich auch. Zunächst war meine Vermutung, dass eine Art "Stellung" verwendet worden wäre, um den (in diesem Fall wohl extrem weiten) Bereich der Federkraft einzugrenzen. Ob dies dann auch bei den entsprechenden Federkräften für eine 5-Jahresuhr ausreichend realisierbar wäre, ich weiß es nicht...

Da es ja weitere Fotos gibt:
Was erkennt man in dem rot markierten Bereich?
IMG_7264_5184x3456_1600x1067, mod.jpg
Ist es ein Gesperr? Eine mögliche Stellung? Etwas ganz anderes? Ich kann es leider nicht erkennen / zuordnen...

Da die Uhr wohl um 1900 entstanden ist:
Da die beabsichtigte Laufzeit mit 5 Jahren angegeben wurde, sollte das benötigte Wartungsintervall einer solche Uhr natürlich länger sein, sonst macht es ja keinen Sinn... Mit modernen Ölen / Fetten sollte es mit "normalen" Uhren kein Problem sein, aber geringe Änderungen der Viskosität der damals verwendeten Öle könnten hier schon einen Unterschied ausmachen...

Nun, von mir gibt es also nur Fragen / Ideen / Spekulationen. Eventuell aber doch als Basis für weitere Beiträge von anderen Teilnehmern...

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde
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petsch
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von petsch »

Das ist eine interessante Uhr, keine Frage.

Gibt es noch bessere Fotos vom Werk ?

Was für ein Pendel hat sie, Sekunden oder 3/4 Sekundenpendel ?

Das auf dem Foto ist bestimmt eine Stellung , aber ich denke nicht, dass sie die sehr große und starke Federkraft ausreichend konstant hält, sondern, dass sie hauptsächlich dafür sorgt, dass nicht am Anfang zu hohe Kräfte wirken.
Zum wirklich konstanteren Antrieb hätte man vielelicht einen Schneckengang oder ähnliches benutzen müssen, so wie es in meiner Jahresuhr ist :
http://dg-chrono.info/dg-chrono.de/foru ... 135&t=2854
Aber da ist der Schneckengang schon sehr breit (obwohl der Draht dünn ist und die Schneckenwindungen damit auch eng sind). Ob das bei dieser 5 Jahresuhr überhaupt möglich wäre, kann ich mir nicht so richtig vorstellen.

Gruß
Peter
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wahli76
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Re: Langstreckenläufer aus Wien

Beitrag von wahli76 »

um 1900 hätte ich erwartet, daß die Wartungsintervalle kürzer als 5 Jahre sind, und damit die max. Laufdauer gar nicht erreicht werden kann.

Hundert Jahre früher gab es in Frankreich Uhren, bei denen die Kraft aus dem Federhaus auf ein Gewichts-oder Feder-Remontoir wirkte und somit eine gleichmäßige Ganggenauigkeit über die Laufdauer des Federhauses (meist 1 Jahr) erreicht wurde.

Viele Grüße

Kurt
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