Aug. Schatz & Söhne, Glasenuhr Royal Mariner Kal. SCH

Galerie und Allgemeines
Antworten
Benutzeravatar
Der_Stromer
Beiträge: 571
Registriert: Fr 11. Jan 2013, 09:21
Wohnort: 92272 Freudenberg (Oberpfalz)
Kontaktdaten:

Aug. Schatz & Söhne, Glasenuhr Royal Mariner Kal. SCH

Beitrag von Der_Stromer »

Und wieder eine Glasenuhr (habe garnicht gewusst, wieviele es davon gibt ;) ). Aug. Schatz & Söhne, Royal Mariner, Kal. SCH mit 2 Hämmern. Es handelt sich um ein etwas älteres Werk, denn die Feistellung wird hier noch über einen Schieber, der den Rückerhebel direkt bewegt, nicht wie bei neueren Werken über eine Stellschraube, gemacht. Auch gibt es bei diesem Werk keine Abschaltung des Schlagwerkes auf der Vorderseite.

In diesem Beitrag will ich nicht weiter auf die Funktionen etc. eingehen, sondern mal ein abschreckendes Beispiel von Pfusch hoch³ zeigen. :( Dieser Pfusch hätte die Uhr fast das Leben gekostet.

Der Besitzer versicherte mir, dass die Uhr vor ca. 10 Jahren bei einem Uhrmacherfachbetrieb einer Revision unterzogen wurde. Hallo?

Also folgendes war sofort fest zu stellen: Der Gang war stark schwankend und hin- und wieder blieb die Uhr auch stehen und war nur durch kräftiges Schütteln wieder in Gang zu bringen.

Das Gehäuse auf und schon lief mir Öl entgegen.
Hatte ich da etwa eine transportable Ölquelle in den Händen? :mrgreen: . Nein, es war nur so die Eigenart, viel hilft viel, die hier mal wieder zur Anwendung kam.

Dann gleich auf den Ersten Blick die Lager :shock: die war zwar mal ersetzt worden, aber WIE!!!! Und dann noch welches Öl wurde denn da benutzt.
Sehr-deutlich-1-Rad.JPG
Lager-Pfusch.JPG
Na ja. Als erstes die Federn Abgelassen, die Federhäuser raus und geöffnet, aber die waren sauber und ich habe (jetzt bekomme ich gleich wieder Geschimpft, gelle :mrgreen: ) die Federn lediglich überprüft und so belassen. Die waren nämlich die sprudelnde Ölquelle. Schade, der Vorrat war dann im Putzlappen :lol: .
2211-Federhaus.JPG
Dann die Lager auf Radialspiel geprüft, 2 waren ganz schlecht und für das Gangverhalten verantwortlich, 4 weitere waren grenzwertig und mussten auch raus und ersetzt werden. Die Härte selbst war, wie mein Vorreparateur die Lager des ersten Rades eingesetzt hatte (wirklich gesetzt. Von festem Sitz durch Einschlagen war hier nichts zu spüren). Das eine Lager konnte ich ganz einfach mit den Fingern und ner Kornzange entfernen, das Zweite saß ein wenig fester, aber ein leichter Schlag beförderte auch das in die Schrottkiste. Ich glaube, die Bilder der Lager sprechen Bände :shock: . Dazu muss ich noch sagen, dass die Lager (beide) nicht mit der Innenseite der Platinen bündig waren. Auf der vorderen Platine schaute das Lager nach innen ca. 0,7mm und dafür war das auf der hinteren Platine um eben dieses Maß nach Außen gedrückt.
Lager-Pfusch.JPG
Lager-Pfusch-Ziffernblattse.JPG
1-Rad-Schlagwerk.JPG
Nun, langer Schreibe kurze Arbeit: Die alten Lager alle ausgeschlagen, die Bohrungen aufgerieben und neue BERGEON-Hartmessinglager eingeschlagen. Lager auf Zapfenmaß aufgerieben und Probelauf, nach meiner Meinung alles in Ordnung.
Neues-Lager-1,4mm-vordere-P.JPG
Neues-Lager-1,4mm-hintere-P.JPG
Dann das Echappement begutachtet. Hier war nichts zu sehen. Also gereinigt und fein geölt. Nach dem Zusammensetzen des Werkes die Federn ca. auf 50% aufgezogen, meine GREINER in Betrieb und festgestellt, dass der Abfall wohl etwas zu ungleichmäßig ist. Also das reguliert und auch gleich den Gang mit.
2213-Regulierung.JPG
Nach 24 Stunden dann nochmal geprüft und festgestellt, dass der Gang und der Abfall passen, Nachgang in 24 Stunden nicht feststellbar (die hat ja keinen Sekundenzeiger).
2214-Fertig.JPG
Also stelle ich für mich fest: Operation gelungen und Patient erfreut sich wieder bester Gesundheit :D
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Hallo aus der Oberpfalz
Rolf-Dieter, der Stromer

http://www.rolf-dieter-reichert.de
walter der jüngere

Re: Aug. Schatz & Söhne, Glasenuhr Royal Mariner Kal. SCH

Beitrag von walter der jüngere »

Hallo,

nun ja - ein 'zuviel' an Öl ist halt für diese Lager schädlich.
Wie man sieht.
Das Öl läuft aus dem Lager weg, das Lager hat keine ausreichende Schmierung mehr, es wird zerrieben, meist nehmen dabei auch die Zapfen und ab und an auch die Räder Schaden.

Federn nur zu ölen, bzw. das Fett durch Öl zu verdünnen, kann nicht gut gehen.
Das Thema ist ja nun schon oft und detailliert genug im Forum diskutiert worden. ;)

Was mir bei der Ansicht des untersten Bildes (Eingelaufen-1-Rad) nicht gefallen will:
Der Zapfen ging offenbar nur zu 2/3 durch das Lager.
Daher diese Stufenbildung.
Mich würde an Deiner Stelle eine Frage sehr umtreiben:
Ist der Zapfen (und die dazugehörige Welle!) wirklich lang genug (axiales Spiel...)?

Walter d. J.
Benutzeravatar
Der_Stromer
Beiträge: 571
Registriert: Fr 11. Jan 2013, 09:21
Wohnort: 92272 Freudenberg (Oberpfalz)
Kontaktdaten:

Re: Aug. Schatz & Söhne, Glasenuhr Royal Mariner Kal. SCH

Beitrag von Der_Stromer »

walter der jüngere hat geschrieben:Hallo,

nun ja - ein 'zuviel' an Öl ist halt für diese Lager schädlich.
Wie man sieht.
Das Öl läuft aus dem Lager weg, das Lager hat keine ausreichende Schmierung mehr, es wird zerrieben, meist nehmen dabei auch die Zapfen und ab und an auch die Räder Schaden.

Federn nur zu ölen, bzw. das Fett durch Öl zu verdünnen, kann nicht gut gehen.
Das Thema ist ja nun schon oft und detailliert genug im Forum diskutiert worden. ;)

Was mir bei der Ansicht des untersten Bildes (Eingelaufen-1-Rad) nicht gefallen will:
Der Zapfen ging offenbar nur zu 2/3 durch das Lager.
Daher diese Stufenbildung.
Mich würde an Deiner Stelle eine Frage sehr umtreiben:
Ist der Zapfen (und die dazugehörige Welle!) wirklich lang genug (axiales Spiel...)?

Walter d. J.
Das hat mich eigentlich bei dieser Uhr gewundert: ALLE Zapfen waren in Ordnung!

Und zu "Eingelaufen-Rad-1": Ja, die Zapfen sind lang genug, da Original! Aber wenn das Lager so weit in der Platin steckt, dass aif der einen Seite die Welle um ca. 0,7mm hineinreicht und dann auf der anderen Seite eben dies 0,7mm an Lagerfläche fehlen, wird es eben so! Außerdem waren die eingesetzten Lager viel zu lang. Für eine 1,2mm Platine (Dünnblechwerk halt) 2,5mm tiefe Lagerbuchsen, dann bleibt das nicht aus.
Hallo aus der Oberpfalz
Rolf-Dieter, der Stromer

http://www.rolf-dieter-reichert.de
Benutzeravatar
Typ1-2-3
Beiträge: 1285
Registriert: So 22. Aug 2010, 19:10

Re: Aug. Schatz & Söhne, Glasenuhr Royal Mariner Kal. SCH

Beitrag von Typ1-2-3 »

Eigentlich wundert es mich, dass die Uhr so lange gelaufen ist, wenn die Lager so unterlaufen sind (also der Verschleiß nicht ganz durch das ganze Lager geht, wie Walter das so schön bemerkt hat). Denn meistens ist dieser schwer zu findende Fehler für das Stehenbleiben der Uhr verantwortlich, auch wenn das Lager noch lange nicht so übel aussieht. Denn das Rad hat dann überhaupt keine Höhenluft mehr, und dann klemmt alles. Wenn dann das Lager nicht so schlimm aussieht, bemerkt man von dem Unterlaufen nichts und wundert sich, dass die Uhr so schnell wieder (als Reklamation) zurückkommt. Ich achte - aus bösen Erfahrungen schlau geworden - immer peinlichst darauf, dass alle Zapfen auch wirklich durch die Lager durchschauen. Ansonsten hält die Uhr nicht lange. Und das ist besonders bei Lagerersatz zu beachten. Aber nicht immer nur. Habe auch schon neue Uhren gesehen, bei denen die Zapfen an sich für die Lagerlänge zu kurz waren. Also Lager kürzen, dann ist alles ok, obwohl die Lager dann natürlich schneller verschleißen...

Frank
Benutzeravatar
Der_Stromer
Beiträge: 571
Registriert: Fr 11. Jan 2013, 09:21
Wohnort: 92272 Freudenberg (Oberpfalz)
Kontaktdaten:

Re: Aug. Schatz & Söhne, Glasenuhr Royal Mariner Kal. SCH

Beitrag von Der_Stromer »

Typ1-2-3 hat geschrieben:Eigentlich wundert es mich, dass die Uhr so lange gelaufen ist, wenn die Lager so unterlaufen sind (also der Verschleiß nicht ganz durch das ganze Lager geht, wie Walter das so schön bemerkt hat). Denn meistens ist dieser schwer zu findende Fehler für das Stehenbleiben der Uhr verantwortlich, auch wenn das Lager noch lange nicht so übel aussieht. Denn das Rad hat dann überhaupt keine Höhenluft mehr, und dann klemmt alles. Wenn dann das Lager nicht so schlimm aussieht, bemerkt man von dem Unterlaufen nichts und wundert sich, dass die Uhr so schnell wieder (als Reklamation) zurückkommt. Ich achte - aus bösen Erfahrungen schlau geworden - immer peinlichst darauf, dass alle Zapfen auch wirklich durch die Lager durchschauen. Ansonsten hält die Uhr nicht lange. Und das ist besonders bei Lagerersatz zu beachten. Aber nicht immer nur. Habe auch schon neue Uhren gesehen, bei denen die Zapfen an sich für die Lagerlänge zu kurz waren. Also Lager kürzen, dann ist alles ok, obwohl die Lager dann natürlich schneller verschleißen...

Frank
Hi Frank.
Also wie lange die Uhr tatsächlich nach dieser Pfusch-Reparatur gelaufen ist weiß ich natürlich nicht.

Aber solche Lager habe ich noch nicht gesehen. Wenn ich Lager neu Einschlage, achte ich, wie Du ja auch, darauf, dass die Zapfen genügend Lauffläche haben und nicht IM Lager laufen müssen. Denn auch mir ist es klar, dass bei den ersten Anzeichen von Verschleiß dann die Gefahr von Klemmungen steigt.

Neue Lager MÜSSEN in der Höhe zur Platine passen und zum Zapfen. Punkt.

Nur, Bei Großuhren fällt das nicht so gravierend auf, wie bei Taschen- oder gar Armbanduhren. Großuhren laufen mit solchen beginnenden Fehlern auch noch eine ganze Zeit.

Trotzdem achte ich (und hoffentlich auch Andere) auf eben das oben geschrieben.

Danke für den Beitrag :) .
Hallo aus der Oberpfalz
Rolf-Dieter, der Stromer

http://www.rolf-dieter-reichert.de
Antworten