Und wieder eine Glasenuhr (habe garnicht gewusst, wieviele es davon gibt

). Aug. Schatz & Söhne, Royal Mariner, Kal. SCH mit 2 Hämmern. Es handelt sich um ein etwas älteres Werk, denn die Feistellung wird hier noch über einen Schieber, der den Rückerhebel direkt bewegt, nicht wie bei neueren Werken über eine Stellschraube, gemacht. Auch gibt es bei diesem Werk keine Abschaltung des Schlagwerkes auf der Vorderseite.
In diesem Beitrag will ich nicht weiter auf die Funktionen etc. eingehen, sondern mal ein abschreckendes Beispiel von Pfusch hoch³ zeigen.

Dieser Pfusch hätte die Uhr fast das Leben gekostet.
Der Besitzer versicherte mir, dass die Uhr vor ca. 10 Jahren bei einem Uhrmacherfachbetrieb einer Revision unterzogen wurde. Hallo?
Also folgendes war sofort fest zu stellen: Der Gang war stark schwankend und hin- und wieder blieb die Uhr auch stehen und war nur durch kräftiges Schütteln wieder in Gang zu bringen.
Das Gehäuse auf und schon lief mir Öl entgegen.
Hatte ich da etwa eine transportable Ölquelle in den Händen?

. Nein, es war nur so die Eigenart, viel hilft viel, die hier mal wieder zur Anwendung kam.
Dann gleich auf den Ersten Blick die Lager

die war zwar mal ersetzt worden, aber WIE!!!! Und dann noch welches Öl wurde denn da benutzt.
Sehr-deutlich-1-Rad.JPG
Lager-Pfusch.JPG
Na ja. Als erstes die Federn Abgelassen, die Federhäuser raus und geöffnet, aber die waren sauber und ich habe (jetzt bekomme ich gleich wieder Geschimpft, gelle

) die Federn lediglich überprüft und so belassen. Die waren nämlich die sprudelnde Ölquelle. Schade, der Vorrat war dann im Putzlappen

.
2211-Federhaus.JPG
Dann die Lager auf Radialspiel geprüft, 2 waren ganz schlecht und für das Gangverhalten verantwortlich, 4 weitere waren grenzwertig und mussten auch raus und ersetzt werden. Die Härte selbst war, wie mein Vorreparateur die Lager des ersten Rades eingesetzt hatte (wirklich gesetzt. Von festem Sitz durch Einschlagen war hier nichts zu spüren). Das eine Lager konnte ich ganz einfach mit den Fingern und ner Kornzange entfernen, das Zweite saß ein wenig fester, aber ein leichter Schlag beförderte auch das in die Schrottkiste. Ich glaube, die Bilder der Lager sprechen Bände

. Dazu muss ich noch sagen, dass die Lager (beide) nicht mit der Innenseite der Platinen bündig waren. Auf der vorderen Platine schaute das Lager nach innen ca. 0,7mm und dafür war das auf der hinteren Platine um eben dieses Maß nach Außen gedrückt.
Lager-Pfusch.JPG
Lager-Pfusch-Ziffernblattse.JPG
1-Rad-Schlagwerk.JPG
Nun, langer Schreibe kurze Arbeit: Die alten Lager alle ausgeschlagen, die Bohrungen aufgerieben und neue BERGEON-Hartmessinglager eingeschlagen. Lager auf Zapfenmaß aufgerieben und Probelauf, nach meiner Meinung alles in Ordnung.
Neues-Lager-1,4mm-vordere-P.JPG
Neues-Lager-1,4mm-hintere-P.JPG
Dann das Echappement begutachtet. Hier war nichts zu sehen. Also gereinigt und fein geölt. Nach dem Zusammensetzen des Werkes die Federn ca. auf 50% aufgezogen, meine GREINER in Betrieb und festgestellt, dass der Abfall wohl etwas zu ungleichmäßig ist. Also das reguliert und auch gleich den Gang mit.
2213-Regulierung.JPG
Nach 24 Stunden dann nochmal geprüft und festgestellt, dass der Gang und der Abfall passen, Nachgang in 24 Stunden nicht feststellbar (die hat ja keinen Sekundenzeiger).
2214-Fertig.JPG
Also stelle ich für mich fest: Operation gelungen und Patient erfreut sich wieder bester Gesundheit

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