
Die Uhren wurden von einem dänischen Hersteller gebaut und sind unverkennbar, sie haben nämlich alle das große Loch im Stundenzeiger. Hier ein schönes Modell aus Bakelit mit einem schwarz lackierten Holzfuß. Andere Modell sind meiner Meinung nach nicht so nett. Aber es gibt auch andere hübsche Modelle.

Der Hersteller dieser Uhren war in erster Linie ein Radiohersteller, was man an vielen Konstruktionsdetails erkennen kann. Zuerst z. B. an der Gehäuserückseite: Eine Verwandtschaft mit Gehäuserückseiten von alten Röhrenradios ist nicht zu verkennen: Das Blech, die Stoffbespannung. Alles Details, die auch bei den Radios von der Rückseite oder auch der Vorderseite üblich waren.

Mit dem Hebelchen links kann man das Schlagwerk lautlos stellen. Abstellen kann man es natürlich nicht, denn es zieht ja das Uhrwerk auf.

Das Werk von hinten zeigt wieder einige Details eines Radioherstellers. So sind die Platinen aus Pertinax hergestellt. Das ist - man soll es nicht glauben - ein hervorragendes Lagermaterial für Gleitlager. Der Hersteller hat dies wohl erkannt und daher ganz konsequent alle Lager nicht ausgebuchst. Das Material war dem Hersteller bekannt, daher die Anwendung.
Das Räderwerk zeigt, dass der Motor das Schlagwerk antreibt und gleichzeitig damit eine kleine Räderwerksfeder. Große Kräfte treten im ganzen Uhrwerk nicht auf, daher ist die Uhr trotz der schwachen Platinen robust.

Das Prinzip ist ähnlich der Kienzle-Schlagwerkuhr. Der Hersteller hat sich aber auch in den 40ger und 50ger Jahren auf dieses Prinzip versteift. Nur diese Uhren wurden hergestellt, auch einige Modelle ohne Schlagwerk. Aber eine weitere Uhrenproduktion gab es nicht.
Der Herstellungsbeginn dieser Uhren kann durch ein Patent ermittelt werden, denn das Schwingsystem ist innovativ. Das Patent ist 1943 ausgegeben worden und hat die Nummer 616 969 in englischer Sprache, wohl GB 616 969.

Auch hier kann man wieder die Einflüsse des Radioherstellers erkennen: Jedem Radiotechniker ist bekannt, dass es 2 Arten von Drehspulinstrumenten gab: Ein klassisches mit 2 Lagern für das Messwerk, häufig in Körnerlagern wie bei einem Wecker. Bei den herkömmlichen Messwerken waren für die Rückstellkräfte 2 Spiralfedern zuständig, die gleichzeitig als Zuleitung dienten. Das Prinzip hat den Nachteil der Lagerreibung bei kleinsten Strömen. Ein anderes Prinzip war - und zwar für besonders hochwertige Geräte - dass man die Zuleitungskabel zum Messwerk gleichzeitig als Aufhängung für die Spule benutzte und ebenso gleichzeitig als Rückstellfeder. Bei den hochwertigen Geräten konnte man also auf Spiralfedern verzichten und hatte auch keine Lagerreibung. Wenn man dieses Prinzip auf ein Uhrenschwingsystem überträgt, gelangt man zu der Abbildung oben. Der Spanndraht ist gleichzeitig Spirale und Unruhwelle. Nachteil dieses Systems ist alleine seine Größe. Reguliert wurde die Unruh durch das Totlegen eines Teiles des Spanndrahtes, an der rechten Seite erkennbar. Die Rändelmutter ist zum Regulieren. Durch eine kleine Gabel kann ein Teil des Spanndrahtes totgelegt werden, so dass die Uhr mehr oder weniger vor läuft. Das Schwingsystem ist robust und ohne Lagerreibung, wohl aber ein wenig teuer.
Auf der Rückseite des Werkes (Bild 4 oben) kann man den Kontakt sehen, durch den der Motor ein- und ausgeschaltet wird. Das geschieht natürlich jede halbe Stunde beim Schlagen. Dazu wird gleichzeitig der Kontakt geschlossen und der Motor wie ein Rasenmäher sicher angeworfen. Das geschieht durch den langen Hebel mit dem Draht am Ende.

Der Motor ist auch eine sehr seltsame Konstruktion. Die Spulen werden durch eine Art Kollektor ein- und ausgeschaltet, so dass immer nur der Rotor dann angezogen wird, wenn dies für den Lauf des Motors sinnvoll ist. Die Sache läuft äußerst energiesparend, die Batterie hält mehr als ein Jahr!
Das Schlagwerk ist ein Rechenschlagwerk, einfach aus Blechpressteilen hergestellt.

Die Uhren laufen - trotz ihrer einfachen Herstellung - viele Jahre sicher mit sehr geringem Stromverbrauch. Trotzdem gibt es davon nur äußerst selten Angebote, wohl weil sich Uhrmacher weigerten, diese Uhren zu reparieren. Wahrscheinlich wurden sie dann einfach weggeworfen.
Frank