nachdem ich hier jetzt schon länger nicht mehr geschrieben habe, mal ein neuer Beitrag von mir. Vor längerer Zeit erhielt ich als Geschenk einen Gründerzeitregulator als "Kellerfund". Bevor er in den Müll kommt, usw. Ich hätte an dem Ding auch nicht viel gemacht, bis mir auffiel, dass hinten auf dem Werk gar keine Schlossscheibe sitzt.
Hinten auf der Uhr ist folgende Bildmarke: Schablonenuhr, noch nie gehört. Die Patentnummer bringt mich zu einem alten Schlagwerk, was in Auszügen mit diesem Mechanismus zu tun hat. Er wurde hier schon im alten Forum als reines Foto gezeigt (das habe ich natürlich nicht mehr gewusst, Asche auf mein Haupt...) Nachdem ich Blatt und Zeiger mit zitternder Zange entfernte, zeigte sich mir folgendes Bild:
Dieses Werk hat schon länger keine Reinigung mehr erfahren, wie man sieht. Auf dem Schlaghammer hinten waren noch dicke Sechskantmuttern aufgelötet, damit der Hammer schwerer wird. Die Rückstellfeder war abgebrochen, damit hätte man ja auch den gleichen Effekt erzielt. Aber Lötzinn ist ja die Waffe Nr. 1 bei Uhrmachern, anscheinend.
Bevor ich die Funktionsweise erläutere, hier noch Bilder vom gereinigten Zustand.
Wie man sieht, hinten ist nix. Das ist mir natürlich auch erst nach einiger Zeit aufgefallen, sodass die Uhr fast im Keller gelandet wäre. Aber der Mechanismus ist sehr simpel und zuverlässig aufgebaut:
Die Uhr hat im Schlagwerk eine verlängerte Welle des Beisatzrades, aus der Platine nach vorn herausgeführt. Auf dieser sitzt mit Reibung ein "Hebel", den ich jetzt mal Abfanghebel nenne. Dieser Fanghebel wird kurz vor dem Schlagen von einer zarten Feder, die an der Auslösewippe sitzt, an die Stundenstaffel gedrückt. Die Kante der Auslösewippe blockiert derweil den "Schöpfer", der hier zwar nicht schöpft, aber in Ermangelung einer passenden Bezeichnung jetzt einfach mal so heißt. Bei Schlagauslösung wird der Schöpfer freigelassen und die Uhr beginnt zu schlagen. Durch die Bewegung der Beisatzradwelle gegen den Uhrzeigersinn wird der Abfanghebel wieder in die Ausgangsposition zurücktransportiert, bis er den Schöpfer wieder blockiert und den Schlag beendet. Es findet kein Vorlauf wie sonst üblich statt und der Nachlauf ist auch äußerst knapp gehalten, damit der Hammer nicht auf dem Hiebnägelrad aufliegt. Jetzt die Frage: Wie ist der Halbstundenschlag realisiert? In diesem Fall sitzt eine zur Hälfte fortgenommene Scheibe auf dem Viertelrohr, die den Weg des Abfanghebels genau auf einen Schlag begrenzt.
Das Gehäuse hatte alles zu bieten, was es gab, über Holzwurm, Kellermuff, Raucherdreck, zerbrochene Scheiben und fehlende Zierteile. Das ist aber auch mittlerweile fertig. Die Zeiger habe ich entrostet (hier noch in der Ursprungsversion), vorsichtig abgeschliffen, poliert, und kornblumenblau angelassen. Am Werk habe ich bis auf ein Neuschleifen der Paletten, die ungleich waren, nichts gemacht. Selbst das Lötzinn ist noch am Schlaghammer dran. Den Paletten gab ich der Art und Güte der Uhr entsprechend eine Hebung von 2°, damit wird sogar die Ausschlagskala ausgenutzt und nicht überschwungen. Die Uhr geht jetzt seit etwa einer Woche und läuft ohne merkliche Abweichung, ich würde jetzt mal sagen, höchstens ne Minute in der Woche falsch. Das bekomme ich aber auch noch weg. Das Pendel ist ein ganz normales "Schein"-Rostpendel. Aber wie es bei Werner wohl üblich ist, alles in höchster Qualität.
Ich hoffe, dass meine Ausführungen einigermaßen verständlich waren.

Liebe Grüße, Junghans
