Moin liebe Forumsgemeinde,
erstmalig wende ich mich mit einer Frage an Euch. Am Wochenende habe ich die folgende Uhr auf dem Flohmarkt quasi gerettet, bevor Ihr noch größeres Unheil widerfährt. Bei flüchtigem Hinsehen kann man sie mit einem üblichen preiswerten Vorkriegs-Regulator verwechseln, aber die oben befindliche Lüsterklemme und die Kabeldurchführung haben mich dann doch aufmerksam werden lassen.
Das Werk hat zwei Federhäuser, die beide das Gehwerk mit ruhender Hemmung antreiben. Die Platinen sind aus Stahlblech mit Einpresslagern. Von der Minutenwelle geht über ein Kegeltrieb eine Stange mit einem Kardangelenk und einer Art Reibekupplung ab, die aber leider im nichts endet....
Kann mir jemand den Hersteller nennen? Die Machart und der gegossene Werksträger könnten vielleicht auf DEHOMAG / IBM schließen lassen?
Und was hat diese Uhr einstmals gesteuert? Die abgehende Welle macht einen Umgang pro Stunde. Hinter der Glasscheibe ist auch nicht übertrieben viel Platz. Weder die ehemalige Kabelführung noch ein ursprünglich vorhandenes Schaltbild oder Typenschild sind erhalten. Dass die Uhr als Mutteruhr mit Stundenimpuls(?) gedient hat, ist wohl durch den fehlenden Selbstaufzug nicht sehr wahrscheinlich.
Sie hat übrigens ein erdenschweres Eichengehäuse und läuft trotz vereinzeltem Flugrost auf den Trieben auch ungereinigt stoisch durch.
Für sachdienliche Hinweise wäre ich überaus dankbar! Sonst müsste ich ja in Ermangelung anderer Ideen einen alten Bakelit-Drehschalter einbauen, und dann knipst sie mir stündlich das Licht an und aus? Das wäre doch auch blöd.
Eigentlich habe ich diese Uhr (wie schon so einige zuvor...) nur mitgenommen, um eben dieses Rätsel der fehlenden Funktion lösen zu können. Ich denke, damit bin ich hier sicher nicht allein.....
Vielen Dank und viele Grüße im Voraus, Wilfried
Signal(?)Schalt(?)Uhr unbekannter Herkunft
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ACHTUNG : Der Betrieb und die Reparatur elektrischer Uhren kann für den Laien lebensgefährlich sein. Deshalb unbedingt die Bekanntmachung "WARNUNG: Elektrische Uhren " lesen !
Hier abgegebene Tipps können keinen Fachmann ersetzen und sind ohne jede Garantie oder Gewähr.
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Signal(?)Schalt(?)Uhr unbekannter Herkunft
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KleineSekunde
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Re: Signal(?)Schalt(?)Uhr unbekannter Herkunft
Hallo Wilfried,
zunächst herzlich willkommen im DGC-Forum und viel Spaß und hoffentlich auch viel Erfolg bei der Bestimmung dieser Uhr und deren Funktion!
Viel dazu beitragen kann ich leider nicht...
Hier http://www.electricclockarchive.org/Clo ... aspx?aid=1 finden sich einige Informationen zu den von dir genannten Herstellern. Eine vergleichbare Uhr findet sich dort nach meiner kurzen Suche allerdings leider nicht aber eventuell habe ich ja auch etwas übersehen...
Für die angesprochene Rutschkupplung an der Welle habe ich jedenfalls momentan auch noch keine wirkliche Erklärung... Könntest du von diesem Bereich eventuell weitere Detailfotos einstellen?
Wenn ich es richtig sehe, befindet sich oberhalb des um die Welle gewickelten Federdrahtes ein Stift, der sich innerhalb einer schlitzförmigen Aussparung bewegen kann. Eventuell wurde dort ein gewisser Schaltvorgang erst bei erreichen einer gewissen Federspannung ausgelöst? Die Funktion der beiden Rändelschrauben an dem Kardangelenk kann ich momentan jedenfalls auch noch nicht zuordnen.
Oder vielleicht haben andere Teilnehmer ja eine Idee oder kennen die Uhr und deren Funktion sogar...
Schöne Grüße
Guido / KleineSekunde
zunächst herzlich willkommen im DGC-Forum und viel Spaß und hoffentlich auch viel Erfolg bei der Bestimmung dieser Uhr und deren Funktion!
Viel dazu beitragen kann ich leider nicht...
Hier http://www.electricclockarchive.org/Clo ... aspx?aid=1 finden sich einige Informationen zu den von dir genannten Herstellern. Eine vergleichbare Uhr findet sich dort nach meiner kurzen Suche allerdings leider nicht aber eventuell habe ich ja auch etwas übersehen...
Gibt es unten im Gehäuse der Uhr eventuell Hinweise auf Befestigungspunkte, die nicht mehr genutzt werden? Irgendwie erinnert mich die Sache an Stempeluhren... Oder gibt es unten im Gehäuse eine weitere Bohrung, durch die die Welle hindurch geführt worden sein könnte? Eventuell für ein Stempel- oder Schalt-Modul unterhalb des eigentlichen Gehäuses?TitusDH hat geschrieben:Und was hat diese Uhr einstmals gesteuert? Die abgehende Welle macht einen Umgang pro Stunde. Hinter der Glasscheibe ist auch nicht übertrieben viel Platz. Weder die ehemalige Kabelführung noch ein ursprünglich vorhandenes Schaltbild oder Typenschild sind erhalten.
Für die angesprochene Rutschkupplung an der Welle habe ich jedenfalls momentan auch noch keine wirkliche Erklärung... Könntest du von diesem Bereich eventuell weitere Detailfotos einstellen?
Wenn ich es richtig sehe, befindet sich oberhalb des um die Welle gewickelten Federdrahtes ein Stift, der sich innerhalb einer schlitzförmigen Aussparung bewegen kann. Eventuell wurde dort ein gewisser Schaltvorgang erst bei erreichen einer gewissen Federspannung ausgelöst? Die Funktion der beiden Rändelschrauben an dem Kardangelenk kann ich momentan jedenfalls auch noch nicht zuordnen.
Oder vielleicht haben andere Teilnehmer ja eine Idee oder kennen die Uhr und deren Funktion sogar...
Schöne Grüße
Guido / KleineSekunde
Re: Signal(?)Schalt(?)Uhr unbekannter Herkunft
ich weiß nicht, wo meine Antwort gelandet ist, möglicherweise mit Guido zur gleichen Zeit. Also noch mal:
das ist mit Sicherheit eine "abgesägte" Stempeluhr, die jemand durch entfernen des Druckwerkes zur normalen "Bimbam" Wanduhr machen wollte.
Meistens funktioniert das nicht, weil auch bei schwingendem Pendel die Zeiger nicht angetrieben werden. Hierfür ist nämlich das Federhaus des Stempelwerkes erforderlich. Zur Synchronisierung von Uhrwerk und Stempelwerk ist die Kupplungswelle da, die jetzt nutzlos herumhängt.
R. Helsper
das ist mit Sicherheit eine "abgesägte" Stempeluhr, die jemand durch entfernen des Druckwerkes zur normalen "Bimbam" Wanduhr machen wollte.
Meistens funktioniert das nicht, weil auch bei schwingendem Pendel die Zeiger nicht angetrieben werden. Hierfür ist nämlich das Federhaus des Stempelwerkes erforderlich. Zur Synchronisierung von Uhrwerk und Stempelwerk ist die Kupplungswelle da, die jetzt nutzlos herumhängt.
R. Helsper
Re: Signal(?)Schalt(?)Uhr unbekannter Herkunft
Dankeschön zunächst!
kleines update:
Ja, die Kardanverbindung ist sogar zweimal federbelastet - in beiden Richtungen. Einmal durch die Feder in der geschlitzten Welle (rückwärs in Zeigerrichtung), und weiterhin mit einem kleinen "Federhaus" direkt unter der Deckelplatte - dort, wo die beiden Einstell-Madenschrauben dran sind (vorwärts). Somit kann das Ding einen ziemlichen Schaltdruck aufbauen, und ist zudem sehr exakt einstellbar.
Mit einer abgesägten Stempeluhr a la Bürk-Bundy Wasserfall hätte ich hier niemanden behelligt. Wobei ich zugeben muss, dass insbesondere das simple und recht leichte Pendel mich an solch eine Uhr erinnert. Ich zeige noch den Boden des Uhrgehäuses, durch den keine Verbindungsstange geführt hat. Die Uhr läuft ja auch ohne weiteres zutun. Es hat die Bundy-Clocks und solche der International Time Recording Co. wohl auch als einfache Regulator-Uhren ohne Stempelwerk gegeben. Nur sehen deren Amerikaner-Werke ganz anders aus.
kleines update:
Ja, die Kardanverbindung ist sogar zweimal federbelastet - in beiden Richtungen. Einmal durch die Feder in der geschlitzten Welle (rückwärs in Zeigerrichtung), und weiterhin mit einem kleinen "Federhaus" direkt unter der Deckelplatte - dort, wo die beiden Einstell-Madenschrauben dran sind (vorwärts). Somit kann das Ding einen ziemlichen Schaltdruck aufbauen, und ist zudem sehr exakt einstellbar.
Mit einer abgesägten Stempeluhr a la Bürk-Bundy Wasserfall hätte ich hier niemanden behelligt. Wobei ich zugeben muss, dass insbesondere das simple und recht leichte Pendel mich an solch eine Uhr erinnert. Ich zeige noch den Boden des Uhrgehäuses, durch den keine Verbindungsstange geführt hat. Die Uhr läuft ja auch ohne weiteres zutun. Es hat die Bundy-Clocks und solche der International Time Recording Co. wohl auch als einfache Regulator-Uhren ohne Stempelwerk gegeben. Nur sehen deren Amerikaner-Werke ganz anders aus.
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KleineSekunde
- Moderator
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- Registriert: Fr 20. Aug 2010, 22:02
Re: Signal(?)Schalt(?)Uhr unbekannter Herkunft
Hallo,
Bei den verfügbaren Fotos sehe ich keine Möglichkeit zur Auslösung eines (hier fehlenden) Stempelwerkes, da eine Betätigung ja von außen am Gehäuse durch einen Hebel / Betätigungsknopf erfolgen müsste. Daher auch meine Frage nach Bohrungen unten am Gehäuse oder Befestigungsmöglichkeiten, die nicht mehr benutzt werden. Dies scheint ja nicht der Fall zu sein.
Wurde eventuell ein Stempeluhrwerk in ein anderes, vorhandenes und passendes Gehäuse eingebaut? Dann sollten sich aber Befestigungspunkte für das ursprünglich zum Gehäuse gehörige Werk im Gehäuse finden lassen. Eventuell an der Rückwand oder an den Seitenwänden? Sieht man dort irgendetwas?
Vielen Dank!
Schöne Grüße
Guido / KleineSekunde
PS:
Ja, das kann wohl passieren, wenn während des Schreibens des eigenen Beitrages ein weiterer Beitrag abgesendet wurde. Ist mir auch schon passiert. Eventuell ist es hilfreich, das Textfenster vor dem Abschicken zu kopieren, dann ließe sich bei Bedarf der Beitrag direkt neu erstellen und müsste nicht noch einmal verfasst werden. So mache ich es zur Sicherheit jedenfalls immer.helsper hat geschrieben:ich weiß nicht, wo meine Antwort gelandet ist, möglicherweise mit Guido zur gleichen Zeit.
Mit Stempeluhren habe ich keine Erfahrung aber ich glaube auch mich daran erinnern zu können, dass je nach Ausführung der Uhr auch durch den eigentlichen Stempelvorgang eine (zusätzliche?) Kraftreserve zum Betrieb des Uhrwerkes aufgebaut werden kann. Die beiden Federhäuser wirken aber doch auf das Gehwerk, also würde ich vermuten, dass das Werk auch ohne Stempelmodul für eine bestimmte Zeit laufen sollte (was ja wohl auch der Fall zu sein scheint) oder sehe ich das falsch?helsper hat geschrieben:das ist mit Sicherheit eine "abgesägte" Stempeluhr, die jemand durch entfernen des Druckwerkes zur normalen "Bimbam" Wanduhr machen wollte.
Meistens funktioniert das nicht, weil auch bei schwingendem Pendel die Zeiger nicht angetrieben werden. Hierfür ist nämlich das Federhaus des Stempelwerkes erforderlich. Zur Synchronisierung von Uhrwerk und Stempelwerk ist die Kupplungswelle da, die jetzt nutzlos herumhängt. R. Helsper
Bei den verfügbaren Fotos sehe ich keine Möglichkeit zur Auslösung eines (hier fehlenden) Stempelwerkes, da eine Betätigung ja von außen am Gehäuse durch einen Hebel / Betätigungsknopf erfolgen müsste. Daher auch meine Frage nach Bohrungen unten am Gehäuse oder Befestigungsmöglichkeiten, die nicht mehr benutzt werden. Dies scheint ja nicht der Fall zu sein.
Wurde eventuell ein Stempeluhrwerk in ein anderes, vorhandenes und passendes Gehäuse eingebaut? Dann sollten sich aber Befestigungspunkte für das ursprünglich zum Gehäuse gehörige Werk im Gehäuse finden lassen. Eventuell an der Rückwand oder an den Seitenwänden? Sieht man dort irgendetwas?
Vielen Dank!
Schöne Grüße
Guido / KleineSekunde
PS:
Ein Forum lebt doch gerade davon, dass es "behelligt" wird und es einen Erfahrungsaustausch gibt! Sonst ist doch kein "Leben in der Bude".TitusDH hat geschrieben:Mit einer abgesägten Stempeluhr a la Bürk-Bundy Wasserfall hätte ich hier niemanden behelligt.
Re: Signal(?)Schalt(?)Uhr unbekannter Herkunft
Hallo,
in der Tat stammt dieses Werk aus einer Stempeluhr der Normalzeit GmbH (später dann T&N). Ich habe im Ebay gleich zwei Uhren gefunden, die derzeit angeboten werden, auch mit identischem Zifferblatt- und Zeigersatz.
Allerdings ist bei den beiden auch die obere Gehäusehälfte oberhalb des Stempelwerks identisch zu meiner Uhr ausgeführt. Daher gehe ich davon aus, dass auch mein Kasten ehedem von T&N ausgeliefert wurde, nur mit einem anderen Werkstyp. Mein Kasten hat im Gegensatz zu denen der Stempeluhren auch kein Schloß, sondern nur einen Schließhaken. Die frühere Verwendung war also wohl nicht so "manipulationsgefährdet" wie ein Arbeitnehmer-Zeiterfassungssystem.....
Da nirgends im Werk eine Herstellerpunze zu finden war, und auch sonst es nicht unbedingt nach T&N aussieht, hat man das Werk wahrscheinlich zugekauft, statt selbst eines zu konstruieren.
Wer hat sowas vor vielen Jahrzehnten schon zusammengesetzt? Vielleicht war es eine Eigenkreation eines Servicemitarbeiters, der Zugang zu diversen Gebrauchtteilen hatte. Trotz der Marriage wurde augenscheinlich auf Teile nur eines Herstellers zurückgegriffen.
Soweit ich erfahren konnte, haben die meisten Uhrmacher schon zu Lebzeiten der heute gesammelten Elektrouhren deren Wartung/Reparatur konsequent verweigert. Man war dann auf den Kundendienstmitarbeiter der Herstellers angewiesen, bei dem sich im Laufe der Zeit dann einiges ansammelte, was sich noch weiterverwerten ließ.
Zumindest lässt sich zu meiner neuen Uhr ein eindeutiges "Jein" oder ein "Ja, aber" bezüglich der Stempeluhrvergangenheit konstatieren.
Allen Beteiligten danke ich recht herzlich für Ihren Beitrag!
viele Grüße, Wilfried
in der Tat stammt dieses Werk aus einer Stempeluhr der Normalzeit GmbH (später dann T&N). Ich habe im Ebay gleich zwei Uhren gefunden, die derzeit angeboten werden, auch mit identischem Zifferblatt- und Zeigersatz.
Allerdings ist bei den beiden auch die obere Gehäusehälfte oberhalb des Stempelwerks identisch zu meiner Uhr ausgeführt. Daher gehe ich davon aus, dass auch mein Kasten ehedem von T&N ausgeliefert wurde, nur mit einem anderen Werkstyp. Mein Kasten hat im Gegensatz zu denen der Stempeluhren auch kein Schloß, sondern nur einen Schließhaken. Die frühere Verwendung war also wohl nicht so "manipulationsgefährdet" wie ein Arbeitnehmer-Zeiterfassungssystem.....
Da nirgends im Werk eine Herstellerpunze zu finden war, und auch sonst es nicht unbedingt nach T&N aussieht, hat man das Werk wahrscheinlich zugekauft, statt selbst eines zu konstruieren.
Wer hat sowas vor vielen Jahrzehnten schon zusammengesetzt? Vielleicht war es eine Eigenkreation eines Servicemitarbeiters, der Zugang zu diversen Gebrauchtteilen hatte. Trotz der Marriage wurde augenscheinlich auf Teile nur eines Herstellers zurückgegriffen.
Soweit ich erfahren konnte, haben die meisten Uhrmacher schon zu Lebzeiten der heute gesammelten Elektrouhren deren Wartung/Reparatur konsequent verweigert. Man war dann auf den Kundendienstmitarbeiter der Herstellers angewiesen, bei dem sich im Laufe der Zeit dann einiges ansammelte, was sich noch weiterverwerten ließ.
Zumindest lässt sich zu meiner neuen Uhr ein eindeutiges "Jein" oder ein "Ja, aber" bezüglich der Stempeluhrvergangenheit konstatieren.
Allen Beteiligten danke ich recht herzlich für Ihren Beitrag!
viele Grüße, Wilfried