Ein recht komplexes Schlagmuster.
Heute wird nur noch auf der Gorch Fock (Segelschulschiff der Bundesmarine) geglast, also die Glasen ( 1/2 Stunde) auf der Schiffsglocke geschlagen.
Zusätzlich hat diese Uhr noch einen „zweiten“ Stundenzeiger, mit dem eine andere Zeitzone eingestellt werden kann, Duo-Time eben. Auf dem Ziffernblatt wird sehr schön der Wachablauf und die Schläger einer Glasenuhr erklärt.
Nun aber zur Uhr selbst. Leider ist keine Marke (wie sonst bei Aug. Schatz & Söhne üblich) zum Herstellungsjahr vorhanden. Aber ca. 70 er Jahre ist an zu nehmen. Hier waren folgende Fehler zu beheben: Die Uhr hatte einen starken Nachgang und blieb auch andauernd stehen. Das Schlagwerk meldete aber noch die „Glasen“.
Zu dieser Uhr nun im Besonderen: Die Gangregulierung erfolgt durch ein Echappement, das von Vorn auf dem Ziffernblatt geregelt werden kann.
Ebenfalls kann durch einen Hebel bei 3 das Schlagwerk stillgesetzt werden.
Beim öffnen des Gehäuses stellte sich heraus, dass hier wohl ein schlechtes Öl oder Fett verwendet wurde, das im laufe der Jahrzehnte mit dem Staub eine schwarze Schleifmasse bildete, die einige Lager „etwas“ aus der Form gebracht hat. Dadurch war der Eingriff nicht mehr korrekt und einige Räder und Triebe klemmten. Nach der Demontage die übliche Reinigung im Ultraschallbad, Überprüfung der Zapfen (alle in Ordnung) und Lager (fünf außer Toleranz). Diese Lager wurden durch Hartmessinglager ersetzt und mit einer Reibahle auf Maß gebracht. Die Zapfen der Wellen mit dem Polierholz auf Hochglanz gebracht und dann wieder alles zusammen gefügt. Das Schlagwerk will ich etwas genauer beschreiben: Es ist ein Rechenschlagwerk. Aber die Staffelscheibe ist so gestaltet, dass die 12 Stunden in 3 Abschnitte unterteilt sind. Die Besonderheit dabei ist noch, dass z.B. bei 3 Uhr drei Doppelschläge geschlagen werden, bei 1/2 4 Uhr aber drei Doppelschläge und ein halber Doppelschlag. Also muss die Staffelscheibe immer um 1/2 schon eine Ebene auf der Staffelscheibe weiter sein. Für diesen "halben" Doppelschlag ist ein besonderes Hebelwerk zuständig, dass über eine Nockenscheibe auf der Minutenwelle gesteuert wird. Auch die Position dieser Scheibe ist wichtig für das korrekte Schlagen. Das ist zu beachten. Ebenfalls wichtig ist, dass der Hebel zum Stoppen des Schlagwerkes und der Schöpfer in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen müssen, sowie das Sternrad nicht schon den Hammerhebel anhebt, wenn der Freilauf beendet ist.
Nach den Justagen des Schlagwerkes, die wurde noch ohne Echappement durchgeführt, konnte jetzt dieses eingebaut werden. Die Lager wurden mit Uhrenöl geölt und der Testlauf konnte beginnen. Es war alles zu meiner Zufriedenheit. Meine "Alte" Greiner elektronik Junior leistete wieder sehr gute Dienste beim Einstellen der Hemmung.
Abschließend wurde das Werk in das Gehäuse eingesetzt und jetzt hängt sie wieder an der Wand zum Probelauf. Die Zeit ist nicht absehbar, wann meine Nachbarn vor den Glasenschlägen der Uhr wieder Ruhe haben werden. Zurzeit bimmeln bei mir, neben einigen Anderen, auch 2 eigene Glasenuhren um die Wette
