Standuhr Hersteller Baujahr und was für eine Hemmung

Welche Uhr, welches Werk ist das ?
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Grassi
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Re: Standuhr Hersteller Baujahr und was für eine Hemmung

Beitrag von Grassi »

Wenn du dir die Arbeit machst und mal das Zifferblatt abnimmst, könnte eine Signatur im Konteremail Erkenntnis bringen.
Gerade die Ähnlichkeit zu Alt und Möllinger könnte bedeuten, dass Zifferblatt und (die viel zu langen Zeiger) aus denselben Quellen stammen könnten
Zifferblatt und Zeiger könnten gut aus Neuchatel zugekauft worden sein, das würde die Sache etwas eingrenzen können.
Die Kadratur wie auch die Patinen und Werkspfeiler könnten gut aus England stammen, deren STU-Werksteile waren damals eindeutig Marktführend weit über die Insel hinaus.
Eine Besonderheit fällt mir noch auf: die Uhr schlägt sowohl auf eine Glocke als auch auf einen Gong an der Rückseite. Sowas habe ich bisher noch nicht gesehen und ich frage mich ob der Schlag auf beide gleichzeitig erfolgt?
Ansonsten eindeutig Biedermeier, eher ländlich, der Kasten von einem fähigen Gehäusemacher gebaut mit damals teurem Westindischem Mahagoni.
Matze
Beiträge: 8
Registriert: Do 22. Jan 2026, 22:14
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Re: Standuhr Hersteller Baujahr und was für eine Hemmung

Beitrag von Matze »

Moin, habe das Zifferblatt schon ab und leider nichts gefunden, hatte mit UV Lampe alles abgeleuchtet um eventuell manuelle Vermerke zu finden, aber auch da bin ich nicht fündig geworden.
In der Glocke ist was geschrieben, aber was, dass ist nicht zu entziffern.
Das Werk ist dem englischen sehr ähnlich bzw. wie du geschrieben mit entsprechenden Teilen versehen. Bei der Hemmung ist dann der Uhrmacher seinen eigenen Weg gegangen. Graham wäre ja auch machbar gewesen.
Wurde ja von Holger freundlichweise schon gezeigt. Ist als ältere Hemmung bezeichnet. Was heißt nun älter?


Der Glockenschlag und der Schlag auf die Gongspirale erfolgt mit minimalen Zeitversatz grob 0,5 Sekunden


Die Uhr stand ursprünglich im Raum Stade, später Neumünster war immer in Famielienbesitz ( Chirurgen und Ärzte Familie)
Ob sie ursprünglich in der Praxis gestanden hat, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Grüße Matze
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Bernhard J
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Registriert: Do 6. Okt 2022, 16:20

Re: Standuhr Hersteller Baujahr und was für eine Hemmung

Beitrag von Bernhard J »

Hallo Matze,

Glückwunsch zu dieser tollen Uhr!

Ich würde die Uhr auch nicht in den Norden verorten (wegen des Werkstypus), eher nach Deutschland oder auch Frankreich. Der Gehäusestil erinnert mich an die eine oder andere Empire Uhr.

Aufgefallen ist mir, dass sie einen Gong hat, keine Glocke. Hast Du schonmal den Fuß des Gongs angesehen? Mitunter hat sich da der Hersteller des Gongs (also nicht der Uhr) verewigt. Das könnte bei der weiteren Recherche helfen.

Beste Grüße, Bernhard
Matze
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Re: Standuhr Hersteller Baujahr und was für eine Hemmung

Beitrag von Matze »

Moin, es ist ein Gong und eine Glocke verbaut, die kurz hintereinander schlagen. Hatte nochmals geschaut, aber keine weiteren Zeichen oder sonstiges entdeckt.
Es bleibt weiterhin spannend.
Grüße Matze
holger
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Registriert: Di 31. Aug 2010, 09:07

Re: Standuhr Hersteller Baujahr und was für eine Hemmung

Beitrag von holger »

Hallo,
könnte es sein, daß das Schlagwerk der Uhr umgebaut wurde?
Die Halterung für die Glocke erscheint mir nachträglich eingebaut.
Ich denke, daß ursprünglich Bim-Bam auf 2 Tonfedern.
ABER: unbewiesene Vermutung meinerseits
Gruß Holger
petsch
Administrator
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Registriert: So 15. Aug 2010, 18:10

Re: Standuhr Hersteller Baujahr und was für eine Hemmung

Beitrag von petsch »

holger hat geschrieben: Do 12. Feb 2026, 20:36 ...könnte es sein, daß das Schlagwerk der Uhr umgebaut wurde?
Die Halterung für die Glocke erscheint mir nachträglich eingebaut.
Ich denke, daß ursprünglich Bim-Bam auf 2 Tonfedern....
Ich glaube die Glocke ist original. Ich hab schon die eigenartigsten Glockenhalterungen bei alten Standuhren gesehen, um die Glocke oben passend zu platzieren. Ich habe allerdings leichte Zweifel bei der Tonfeder. Erstens ist sie für frühere Uhrwerke eher unüblich und zweitens scheint die Halterung der Feder unten einen Fuß zu haben. Und es scheint, dass der sogar ein Loch hat, um ihn zu befestigen. Könnte also aus einer Tischuhr stammen. Oder wozu soll dieser Knick unten sonst gut sein ?
Außerdem sieht es mir irgendwie so aus, als wenn die Achse, auf dem der hintere Hammer sitzt, so lang ist, dass man dafür ein Loch in die Rückwand gebohrt hat. Das kann ich aber nicht richtig erkennen.

Ich komme noch mal auf Skandinavien zurück. Ich habe in Dänemark bei Kaminuhren schon öfter furnierte Gehäuse aus der Biedermeierzeit gesehen, die damals für ältere Werke gebaut worden sind. Z.B. habe ich auch schon mehrmals Neuenburger Werke (die Zeiger hier erinnern mich an diese Werke, bzw. an die Zeit ) aus dem Ende des 18.Jhdts. mit solchen 40 oder 50 Jahre jüngeren furnierten Mahagonie- oder Nussbaum-Gehäusen dort auch gekauft.
Das sieht man dort so häufig, dass ich annehme, dass es dort üblich war die Werke mit den Gehäusen der neueren bzw. eleganteren Mode anzupassen. In Dänemark gibt es viel mehr elegante furnierte Möbel aus der Zeit, als bei uns in Deutschland. Es kommen auch öfter oval zylindrische Schränke vor. Also genau wie dieses mittlere Korpusstück der Standuhr. Der Korpus passt genau zum dänischen Möbelstil, der in Dänemark auch noch länger als bei uns so verwendet wurde, obwohl die Schränke Empire , bzw. auch oft "late Empire" genannt werden.
https://www.google.com/search?sca_esv=d ... =731&dpr=1

Und das würde auch erklären, dass ein relativ massives Werk in so ein elegantes Gehäuse kommt. Und warum sollte man das nur bei Kaminuhren und nicht auch mal bei einer Standuhr gemacht haben.
Und wenn die Uhr vorher lange Zeit in Stade stand, würde das auch die Ähnlichkeit erklären. Stade war zwar da nicht mehr schwedisch, aber der Einfluss der Modestile wird noch da gewesen sein.
Das Werk könnte woanders her stammen, wobei mir die Massivität nicht unbedingt zu Frankreich passen will. Und ehrlichgesagt habe ich in alten dänischen und schwedischen Uhren schon die dollsten Werke gesehen. Sogar mit völlig ungewöhnlichen ausgeschnittenen Platinenformen, die man überhaupt nicht einordnen kann. Ich glaube, es gab dort regionale Uhrmacher, die sich nicht an irgendwelche Bauarten hielten, sondern "ihr Ding machten". In Dänemark gab es nicht nur Bornholmer und in Schweden nicht nur Mora-Uhren.
Gruß
Peter
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