Ende der 80er Jahre lernte ich bei einigen Reisen in Süd-England die Firma Devon Clocks kennen . Sie stellte damals hochwertige mechanische Uhren als Repros nach klassischen Vorbildern , z.T als Bausatz zum Selbstbau her. Am meisten fasziniert hat mich damals die abgebildete Uhr mit dem angetriebenen Planetarium in der Armillarsphäre . Die mußte ich haben (Und habe sie heute noch)! Später kamen noch andere Modelle hinzu , von denen ich zwischenzeitlich auch wieder welche abgegeben habe. Ende der 90er Jahre habe ich die Firma auch einmal besucht und besichtigt .
Vor ein paar Wochen wollte ich -aus lauter Langeweile- herausfinden , ob es die Firma und ihren damaligen Chef Mr. E.J. Mercer noch gibt und bin auf eine interessante Geschichte gestoßen: Sie beginnt im Jahre 1937 in Exeter . In diesem Jahr gründete Dame Georgina Buller -unverheiratete Tochter eines britischen Generals mit hohem sozialen Engagement- eine Einrichtung , in der Menschen mit verschiedenen Behinderungen (körperlich , geistig und psychisch) eine Ausbildung in grundlegenden handwerklichen Fähigkeiten erhielten mit dem Ziel , daß diese Menschen ihre Potentiale ausbauen und ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen konnten. Außerdem schrieb sie der handwerklichen Betätigung eine förderliche Wirkung auf den Gesundheitszustand der Behinderten zu , das , was wir heute als Ergotherapie bezeichnen . Die Dame hatte zuvor schon 1915 ein Krankenhaus in Exeter gegründet und 1927 eine orthopädische Kinderabteilung ins Leben gerufen . Sie starb 1953 mit 68 Jahren.
Diese Institution hieß zunächst St Loye´s Training Center für Behinderte und wurde -nachdem Queen Elisabeth II 1946 die Schirmherrschaft übernommen hatte , in Queen Elisabeth´s Foundation for Disabled People umbenannt.
Im gleichen Jahr wurde eine Firma "Devon Instruments" gegründet , um die Produkte der Werkstatt zu vermarkten. Es wurden einfache mechanische Produkte hergestellt. 1976 kaufte Devon Instruments die Firma Charles Frodsham & Co auf (Ja richtig , das sind die , die schöne mechanische Reiseuhren herstellen) und nannte sich in "Devon Clocks" um. Leiter und später Inhaber der Firma wurde dann Mr. Mercer , der zuvor lange Geschäftsführer und Entwicklungsleiter bei Frodsham gewesen war. Er war zuvor auch Custos der königlichen Uhrensammlung von Elisabeth II gewesen und hatte -wie er mir persönlich versicherte- immer noch freien Zugang zu ihrer Sammlung , um sich dort Anregungen für seine geplanten Uhren zu holen.
Unter seiner Leitung entwickelte und produzierte die Firma mit den Behinderten eine Reihe sehr qualitätvoller klassischer Uhren , die entweder unter Devon Clocks , The Heritage Collection , Charles Frodsham oder auch Franklin Mint vertrieben wurden , z.B. Congreve Rolling Ball Clock , Orreries , Falling Ball Clock , eine Sinking Ball Clock und ein Model mit Grasshopper-Hemmung mit Namen Devon Sea Clock.
Anfang der 2000er Jahre war ich zuletzt mit meinen damals noch sehr kleinen Kindern in der Firma zur Besichtigung. Mr. Mercer war damals schon über 70 und wollte sich eigentlich zur Ruhe setzen ; aber wer sollte die arbeitenden Menschen (ca 10-12 Leute) beschäftigen?
Danach habe ich Devon Clocks aus den Augen verloren , die Firma scheint nicht mehr zu bestehen.
Ich freue mich immer noch an mehreren Modellen aus ihrer Produktion und empfinde in gewisser Weise Hochachtung für die Idee Uhren als soziales Projekt aufzufassen.
Burkhard
Die Herstellung mechanischer Uhren als soziales Projekt
-
Burkhard Rasch
- Beiträge: 126
- Registriert: Do 30. Jun 2016, 20:48
Die Herstellung mechanischer Uhren als soziales Projekt
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Sol lucet omnibus
- Bernhard J
- Beiträge: 329
- Registriert: Do 6. Okt 2022, 16:20
Re: Die Herstellung mechanischer Uhren als soziales Projekt
Hi Burkhard,
danke für diesen sehr interessanten Beitrag zu den Hintergrunden verschiedener moderner Uhren - "Replika", wovon insbesondere die Congreve Rolling Ball Clock einem ja immer wieder mal über den Weg läuft.
Erstaunt hat mich, dass solche Qualitätsprodukte auch unter der Marke "Franklin Mint" vertrieben wurden. Bislang hatte ich mit "Franklin Mint" nur völlig überteuerten Kram minderer Qualität verbunden.
Beste Grüße, Bernhard
danke für diesen sehr interessanten Beitrag zu den Hintergrunden verschiedener moderner Uhren - "Replika", wovon insbesondere die Congreve Rolling Ball Clock einem ja immer wieder mal über den Weg läuft.
Erstaunt hat mich, dass solche Qualitätsprodukte auch unter der Marke "Franklin Mint" vertrieben wurden. Bislang hatte ich mit "Franklin Mint" nur völlig überteuerten Kram minderer Qualität verbunden.
Beste Grüße, Bernhard
-
Burkhard Rasch
- Beiträge: 126
- Registriert: Do 30. Jun 2016, 20:48
Re: Die Herstellung mechanischer Uhren als soziales Projekt
Hallo Bernhard , Du hast recht : Franklin Mint hat in den letzten Jahren/Jahrzehnten nicht viel Gutes auf den Markt gebracht ; das war früher (in den 70ern und 80ern) anders. Meine Sinking Ball Clock wurde offiziell von Twaites&Reed hergestellt , aber von Franklin Mint vermarktet . Das gleiche Modell gab es auch von Devon Clocks Ltd. , allerdings war die Kugel da glatt poliert und nicht -wie diese hier- mit den Kontinenten der Erde und der Reiseroute von Francis Drake 1577-1580 dekoriert. Beide Uhren waren ansonsten baugleich und mich würde nicht wundern , wenn T&R die Rohwerke von Devon Clocks Ltd bezogen hätte . Auch bei einigen anderen Modellen fällt eine ausgeprägte Ähnlichkeit zwischen den Produkten von T&R und Devon Clocks auf .
Die Congreve habe ich nicht mehr , erinnere mich aber noch gut daran : going barrel , keine Schnecke/Kette wie bei anderen Herstellern , und die Tafel für die Kugel aus Aluminium mit einer eingefrästen Rille . Ich hatte sie als Bausatz bezogen und selbst zusammen gebaut , genau wie meine
Devon Sea Clock , im Prinzip ein Gangmodel einer Grasshopper-Hemmung mit Zeitanzeige .
Burkhard
Die Congreve habe ich nicht mehr , erinnere mich aber noch gut daran : going barrel , keine Schnecke/Kette wie bei anderen Herstellern , und die Tafel für die Kugel aus Aluminium mit einer eingefrästen Rille . Ich hatte sie als Bausatz bezogen und selbst zusammen gebaut , genau wie meine
Devon Sea Clock , im Prinzip ein Gangmodel einer Grasshopper-Hemmung mit Zeitanzeige .
Burkhard
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Sol lucet omnibus