Pendel mit Anzeige

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Taloon
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Pendel mit Anzeige

Beitrag von Taloon » So 1. Dez 2013, 20:57

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/l ... r2895.html

Kennt jemand Details zu dem genannten Patent oder weiß wie die Anzeige genau funktioniert ?

Berrnd-Klaus
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Re: Pendel mit Anzeige

Beitrag von Berrnd-Klaus » So 1. Dez 2013, 22:54

Hallo Taloon,

ich habe selbst so einen Pendel noch nicht in der Hand gehabt.Ich meine durch das Verschieben der Pendelscheibe wird durch ein Getriebe oder Hebelsystem der Zeiger in Bewegung gesetzt wie bei einem Barometer.

Gruß Bernd-Klaus

steffl62
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Re: Pendel mit Anzeige

Beitrag von steffl62 » Di 3. Dez 2013, 08:45

Also das Pendel finde ich sehr interessant, das habe ich so noch nicht gesehen.
Mich würde aber interessieren wie dieser Experte bei dem Werk auf Lenzkirch kommt. Das mit den unsignierten Lenzkirchwerken ist meines wissens nach ein Gerücht das von gewieften Händlern in die Welt gesetzt wurde. Lenzkirch selbst hat ja mehrmals in Inseraten darauf hingewiesen das nur Lenzkirch drin ist wenn auch Lenzkirch drauf steht. Oder wie seht Ihr das?

lg Christian
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derTeichfloh
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Re: Pendel mit Anzeige

Beitrag von derTeichfloh » Di 3. Dez 2013, 10:25

Hallo,
über das Patent kann ich dir leider nichts sagen, wohl aber über die Funktionweise:
Berrnd-Klaus hat das ganz richtig beschrieben.

In der Pendelscheibe befindes sich ein kleines Getriebe, welches über ein Rad (Zahnrad oder Reibrad) auf den Stab zugreift, an dem die PScheibe hängt. An diesem Rad ist der Zeiger befestigt. Wird die PScheibe durch Drehung der Verstellschraube bewegt, so wird das durch das Rad am Aufhängestab, direkt oder indirekt, auf den Zeiger übertragen und an der Skala angezeigt.
Die Skizze sollte das verdeutlichen...
DSCN8296.JPG
(ganz unten ist die Verstellschraube)

Bei einigen Uhren findest du dieses Prinzip zur Höhenverstellung der Pendelscheibe. Da ist es umgekehrt als bei der vorgestellten Uhr:
Die Pendelscheibe ist drehbar und wird, durch die Drehung, auf und ab verstellt.
zum Beispiel wie hier zu sehen: Die Rädelscheibe ist die Pendelscheibe, die Drehung verschiebt sie auf dem Pendelstab:
DSCN8298.JPG
Ich hoffe, ich konnte helfen.

Gruß,
derTeichfloh
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petsch
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Re: Pendel mit Anzeige

Beitrag von petsch » Di 3. Dez 2013, 10:32

steffl62 hat geschrieben:Also das Pendel finde ich sehr interessant, das habe ich so noch nicht gesehen.
Mich würde aber interessieren wie dieser Experte bei dem Werk auf Lenzkirch kommt. Das mit den unsignierten Lenzkirchwerken ist meines wissens nach ein Gerücht das von gewieften Händlern in die Welt gesetzt wurde. Lenzkirch selbst hat ja mehrmals in Inseraten darauf hingewiesen das nur Lenzkirch drin ist wenn auch Lenzkirch drauf steht. Oder wie seht Ihr das?

lg Christian
Hallo Christian,
so, wie ich das festgestellt habe, gibt es darüber mehrere Meinungen und keine lässt sich anscheinend eindeutig belegen und ich habe mich auch noch auf keine Seite festgelegt.

Dieses Werk sieht tatsächlich in den Merkmalen so aus, als könnte es von Lenzkirch sein. Dr. Schmoller, der Experte im Film, war über Jahrzehnte ein großer Uhrenhändler in Hamburg und ich bin sicher durch seine Hände sind schon viele solche Uhren gegangen und er hat viel Erfahrung damit. Allerdings ist so eine Auswertung der Erfahrungen natürlich immer subjektiv.

Die von Dir erwähnten Zeitungsanzeigen wären (wenn man sich überhaupt auf Zeitungsanzeigen verlassen kann) ein Beleg dafür, dass es keine unsignierten Lenzkirchwerke gibt, aber die können ja auch nur einen bestimmten Zeitabschnitt belegen. Welche Fabrik schert es, was in der Vergangenheit irgendein Geschäftsführer mal festgelegt hat. Es geht doch immer um den momentanen und zukünftigen Erfolg und dafür werden ja auch nicht gerade selten , ehemalige Vorstellungen verworfen und das Geschäft ganz anders betrieben. Besonders in schlechteren Zeiten.

Ich weiß zwar nicht genau, aus welcher Zeit diese Inserate sind, aber ich denke, sie stammen aus einer Zeit, als man sich mit hochwertigeren Artikeln unbedingt gegen die billige Konkurrenz abgrenzen musste. Billigere Konkurrenz waren bei den Uhrenverkäufern wohl damals hauptsächlich die ersten aufkommenden Versandhäuser und auch die damals wohl häufig vorkommenden Hausierer mit billigen Uhren.
Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass es in Verkaufsverhandlungen beispielsweise von Hausierern oft Versprechungen wie diese gab : Auf der Uhr ist zwar kein Name drauf, aber das Werk ist natürlich auch gut und von Firmen wie Lenzkirch.
Gegen solche "unlauteren" Verkaufsmethoden sollten dann solche Inserate helfen.

Wenn man in alten Uhrmacherzeitschriften blättert, dann sieht man, das es darin sehr oft um das Thema Hausierer und Versandhäuser ging und dass das ein heißes Thema war.

Unsignierte Werke kämen für mich aus mehreren Gründen in Betracht :

Einmal, um Uhrwerke schlechterer Qualität oder einfach auch nur preiswerter zu verkaufen und dabei seinen eigenen Namen und sein Preisgefüge nicht zu unterlaufen. Aber das schließe ich hier bei der Ausstattung und Optik dieser Uhr aus.
Zweitens, weil man mit kompletten Uhren Uhrmacher oder Händler belieferte, die selbst einen guten Namen hatten und keinen anderen Namen auf der Uhr wollten. So etwas gab es beispielsweise in England. Und England war damals einer der größten Märkte, wen nicht der größte. Da wollten zeitweise die hiesigen Uhrmacher keine deutschen und auch keine schweizer Namen auf ihren Uhren und wenn die Händler groß genug waren, dann wurde dem auch entsprochen.

Drittens, wenn man andere Fabriken belieferte, die auch selbst schon einen Namen hatten und die nicht wollten, dass die Kunden merkten, dass sie fremde Werke einbauten.

Käufer, die Uhren oder Werke aus den letzten beiden Gründen bei Lenzkirch kauften, störten sich bestimmt nicht an den Beteuerungen von Lenzkirch in den Inseraten.

Aber, ich war ja auch nicht dabei und vielleicht gab es unsignierte Lenzkirchwerke tatsächlich nicht. Ich kann nur schreiben, dass meine Phantasie dafür ausreicht mir Gründe dafür vorzustellen.

Auf der anderen Seite mag es auch Hersteller gegeben haben, beispielsweise in Frankreich, das ich mir auch als Herkunftsland dieser Uhr vorstellen könnte (nicht zuletzt wegen der speziellen Regulierung am Pendel) , die ganz ähnliche Werke gebaut haben.

Kurz gesagt, ich würde hier für nichts meine Hand ins Feuer legen, egal, was der eine oder andere Experte sagt. Meine Erfahrung im Uhrenhandel sagt mir, dass es viel gegeben hat, was andere kaum für möglich halten und dass man doch immer wieder von bestimmten Feststellungen überrascht wird.

Gruß
Peter

steffl62
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Re: Pendel mit Anzeige

Beitrag von steffl62 » Do 5. Dez 2013, 10:48

Hallo Peter,
danke für Deine ausführliche Antwort! ;) Ich beziehe mich im Wesentlichen auf einen alten Thread hier im Forum:
http://www.dg-chrono.info/dg-chrono.de/ ... ch+anzeige
Vielleicht können ja Jürgen oder Droba da noch Ihre Meinung dazu sagen. Die beiden haben da ein ganz profundes Wissen dazu. Bei Aussagen von Händlern bin ich immer ein bisserl skeptisch weil da womöglich Geschäftsintressen bei der Meinungsbildung eine Rolle spielen könnten. :roll:

lg Christian
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Taloon
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Re: Pendel mit Anzeige

Beitrag von Taloon » Mo 9. Jun 2014, 21:09

Zwischenzeitlich hab ich dann das entsprechende Patent finden können.
Es kann unter

de56591

beim Patentamt abgerufen werden.

Das Geheimnis ist, nicht die Linse selbst wird bewegt, sondern ein Exzenter auf der Zeigerwelle schiebt ein Gewicht innerhalb des Linsenkörpers hoch oder runter.

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Re: Pendel mit Anzeige

Beitrag von petsch » Di 10. Jun 2014, 09:33

Danke Taloon für die Patentnummer und für die Erklärung wie es bei diesem Pendel wirklich funktioniert. Die anderen Erklärungen wären auch denkbar gewesen und es gibt sie ja auch zusätzlich.

Leider ist das Video, in der diese Uhr vorgestellt wird, nicht mehr verfügbar und man kann nicht mehr genau sehen um was für eine Uhr und um was für ein Pendel es sich handelt.

Habe deshalb das Patent herausgesucht und die Zeichnung aus dem Patent kopiert :
pollack.jpg
Dazu der Patentanspruch :
Bei einem Uhrpendel die Regulierung desselben durch Verschiebung seines Schwerpunktes mittelst eines im Innern der auf der Pendelstange festsitzenden Pendelscheibe angebrachten Excenters (E), wobei die Drehung dieses Excenters von außen durch einen über einer Scala verstellbaren Zeiger erfolgt.


Das Patent wurde eingereicht von Pollack und Holtschneider in Köln im Jahre 1890.

https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/d ... 000056591A

Über Pollack und Holtschneider in Köln habe ich nichts gefunden, aber über Pollack und Holtschneider in Aachen von 1877 bzw. 1882. Ob die wegen Vergrößerung zwischen 1882 und 1890 umgezogen sind (1868 ist unter der Adresse in Aachen Theaterstr.4, noch Heinrich Pollack alleine als Uhrmacher angegeben) oder später eine andere Adresse in Köln hatten, weiß ich nicht, aber allein schon wegen den gleichen Namen und der räumlichen Nähe von Aachen und Köln kann man wohl davon ausgehen, dass es die gleichen Uhrmacher sind.

Obwohl man im Netz über diese Firma hauptsächlich deren ebenfalls patentierten Wasserzähler findet (Wasser"uhr") waren die wohl Uhrenfabrikanten und Händler en gros.
Im Lexikon der deutschen Uhrenindustrie (allerdings 1.Auflage) sind sie vermerkt als Hersteller von Schotten-Doppelweckern und Marmorpendulen.
Und im Adressbuch von Aachen (Ausgabe 1877 !) heisst es : " Deutsche und fremde Uhren-Industrie, Uhren und Fornituren en gros "

Falls jemand noch so ein Pendel hat oder ein Foto davon, wäre es schön, wenn wir das Foto hier zu dem Beitrag auch veröffentlichen könnten.

Gruß
Peter
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