Stundenschlag für Gustav-Becker P42

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canneletto
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Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von canneletto » Fr 9. Aug 2013, 16:38

Viele Grüße aus dem winterlichen Paraguay sendet Euer neues Mitglied Canneletto!
Ich hätte eine kurze Frage zu einem Gustav-Becker-Werk: seit ca. 4 Monaten läuft hier ein Regulator genannten Herstellers- leider ist nun die Feder des Schlagwerkes mittendrin gerissen.
Gestern habe ich selbige Federkapsel ausgebaut, um mir in der alten Heimat eine neue Feder einziehen zu lassen. Dabei habe ich die Gelegenheit genutzt, die oberen Räder, die in den Windfang greifen, etwas zu säubern.
Dabei stellte ich fest, daß beide, über den Windfang betriebene Zahnräder kleine Stifte besitzen, die wahrscheinlich den Lauf des Windfangs stoppen sollen (??).

Nun zur Frage: in welcher Stellung muß ich die beiden Zahnräder mit den Stiften richtig einsetzen? Vor allem bin ich mir über die Aufgabe des Stiftes des oberen Rades, welches in das Ritzel des Windfanges eingreift nicht im klaren....
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand hier aus dem Forum helfen könnte, denn die hiesigen Uhrmacher... ;) 8-)
Viele Grüße nochmals und schon jetzt vielen Dank für die Hilfe!!
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Handlanger
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von Handlanger » Fr 9. Aug 2013, 17:27

Willkommen im Forum.
Ich bin zwar kein Uhrmacher, aber im zweiten Bild sieht man ja schön wie der Hebel den Lauf des Rades stoppt wenn der Schlag vorbei ist.
Durch den Rechen vorne wird der Hebel weggeschoben und das Schlagwerk beginnt zu Schlagen.
Nach dem Schlagen blockiert der Hebel das Schlagwerk wieder indem es den Stift aufhält.
Gruß Handlanger.

Heinrich
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von Heinrich » Fr 9. Aug 2013, 18:09

Hallo Canneletto,
ich gehe mal davon aus, daß es sich um ein Rechenschlagwerk handelt. Bei einem Schlußscheiben-Schlagwerk sieht das dann etwas anders aus. Mir ist aber auch kein GB-Werk mit Schlußscheibe bekannt (was aber nicht heißen soll, daß es das nicht auch gibt!).
Wenn unmittelbar nach dem letzten Schlag der Arm des Schöpfers (das ist hier nicht der liebe Gott sondern der kleine Hebel auf dem Vierkant des Schöpferrades, der den Rechen nach jedem Schlag um einen Zahn weiter bewegt) auf den Stift am Rechen aufläuft und so das Schlagwerk anhält, sollte der Stift auf dem Anlaufrad (das ist das Rad vor dem Windfang) etwa eine viertel bis halbe Umdrehung vor der Haltefläche des Auslösehebels zur Ruhe kommen. Wenn sich kurz vor der Auslösung der Auslösehebel mit seinem Haltelappen (ich weiß nicht, ob das der richtige Fachausdruck ist, vielleicht weiß ein Kollege das besser) nach oben bewegt und den Einfallhebel aus dem Rechen drückt, läuft das Schlagwerk den Betrag, nämlich diese halbe Umdrehung, die der Stift auf dem Anlaufrad erlaubt an, wird dann aber von dem besagten Lappen des Auslösehebels erst einmal gestoppt. Es ist wichtig, daß während des Anlaufes der Hammer noch in Ruhe bleibt, sonst reicht u.U. die Kraft nicht mehr aus, den Schlagvorgang fortzusetzen!! Sollte sich während des Anlaufs der Hammer bewegen muß der Eingriff des Hebnägelrades (das ist das Rad mit den acht Stiften, die den Hammer betätigen) in das Schöpferrad-Trieb um einen oder zwei Zähne zurückgesetzt werden, damit die Hebung des Hammers etwas später beginnt. Wenn schließlich der Auslösehebel von dem Auslösestift abfällt, gibt er das Anlaufrad frei und der Schlagzyklus kann ablaufen.
Ich hoffe, daß das einigermaßen verständlich rübergekommen ist. Wenn nicht: FRAGEN!!
Heinrich
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canneletto
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von canneletto » Fr 9. Aug 2013, 21:05

Guten Abend!
Vielen herzlichen Dank für beide schnelle Antworten- ich habe mich sehr darüber gefreut!!!
In den letzten Sunden habe ich die Uhr wieder zum laufen bekommen- nun ohne Federkapsel des Schlagwerkes.
@Heinrich- das heißt also, die hintere Platine nochmals öffnen und das Anlaufrad, welches in den Windfang greift , also so stellen, daß der Stift eine Vierteldrehung hinter dem Anschlag steht, habe ich das recht verstanden?
Übrigens wird in besagtem Werk der Schlagrhythmus über eine runde Scheibe, die kürzer/länger gekerbt ist, angegeben.
Ich habe festgestellt, daß jetzt, wo die Federkapsel fehlt, der exakte Schlagrhythmus fehlt bzw. durcheinandergebracht ist, ich hoffe, das ändert sich, wenn die Federkapsel eines Tages wieder am rechten Ort sitzt- aber momentan bin ich hier noch auf der Suche nach einem Landsmann, der in absehbarer Zeit die Federkapsel mit "rüber" nimmt; die endgültige Reparatur kann also noch etwas dauern, da dazwischen ja etwa 26tausend km liegen.. :shock:
Vielen herzlichen Dank nochmals für die schnellen Antworten an Euch beide &
Viele Grüße aus Paraguay!!

Heinrich
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von Heinrich » Fr 9. Aug 2013, 22:01

Hallo Canelletto,
es scheint sich also doch um ein Schlußscheiben-Schlagwerk zu handeln. Also: zur Beendigung einer Schlagfolge taucht der sog. Fallenhebel mit seinem aus der Rückplatine herausragenden Abtaster in eine der Kerben der Schlußscheibe auf der Rückseite des Werkes. Das sollte unmittelbar nach dem jeweils letzten Schlag der Fall sein! Wenn nicht, mußt du das Schlußscheibenrad gegenüber dem Hebnägelrad etwas versetzen. Das darfst du aber nur bei abgespannter Feder tun!!! Auf dem freien Ende des Hebels innerhalb der Platinen befindet sich eine kleine Fläche, auf die der Stift des Fallenrades nach den letzten Schlag zu liegen kommt und so das Schlagwerk anhält. Jetzt sollte der Stift auf dem Anlaufrad noch etwa eine viertel bis halbe Umdrehung von dem Lappen des Auslösehebels entfernt sein. Kurz vor der vollen bzw. halben Stunde hebt der Auslösehebel den Fallenhebel an, sodaß dieser den Stift des Fallenrades und damit auch das Rad freigibt. Jetzt dreht sich das Anlaufrad um eben diese viertel oder halbe Umdrehung weiter, wird dann aber durch den Lappen des jetzt ja angehobenen Auslösehebels angehalten. Wenn dieser Hebel vom Auslösestift auf dem Viertelrohr abfällt wird das Schlagwerk freigegeben und die Schlagfolge läuft so lange ab, bis der Abtaster des Fallenhebels wieder in die nächste Kerbe der Schlußscheibe sinkt. Die Sache mit dem Hammer gilt auch hier! Alles Weitere habe ich in meiner vorigen Erklärung schon gesagt.
Gruß
Heinrich
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canneletto
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von canneletto » Sa 10. Aug 2013, 03:20

Moin, moin & viele Grüße aus Villarrica/Paraguay!

Vielen Dank nochmals für die Antwort & die technischen Hilfestellungen!!
Dem ganzen entnehme ich nun, daß ich mit den Einstellungen der Stifte nicht sooo falsch liege (?):
Hier ein Bild des Werkes von oben, nach dem Stundenschlagprogramm- der Stift des unteren Fallenrades liegt am Anschlag an, während der obere Stift des Anlaufrades also eigentlich weiter nach links (auf dem Bild jetzt rechts!) , näher zum Anschlag müßte, damit er halt nur eine halbe oder viertel Umdrehung weit von dem Anschlag steht.
Der Hammer übrigens beginnt sich beim Anlaufen schon etwa 3 mm zu heben und verharrt dann nochmal, wenn das Anlaufrad an den Anschlag fährt- dies also müßte auch noch geändert werden....
Das andere Bild zeigt das Werk mit Schlußscheibe, aber ohne die Federkapsel.
Wenn ich dem Zahnrad, wo später die Federkapsel des Schlagwerkes eingreift, durch Daumendruck suggeriere, daß "Federspannung" anliegt, funktioniert das komplette Stunden-und Halbstundenwerk zuverlässig- fehlt jedoch die durch den Daumen vorgetäuschte Federspannung, so drehen sich beide kleinen Zahnräder mit den Stiften leicht rückwärts; etwa eine halbe oder dreiviertel Umdrehung und die Uhr verliert den folgenden Stundenrhythmus, der geschlagen werden müßte- ist dies als Normalität zu bezeichnen, da jetzt natürlich die Federkapsel fehlt?
*****ich hoffe, ich stelle jetzt nicht nur blöde Fragen**** :oops: :oops:
Ich denke, diese Änderungen vorzunehmen, wenn ich die Federkapsel wiederbekomme. Momentan läuft die Uhr bestens.
Aber ich möchte mich nochmals bedanken für die bisher gegebenen Tips & Beschreibungen!

....die Verzögerungen bei meinen Antworten liegen zum Teil mit an der Zeitverschiebung- wir hier sind immerhin sechs Stunden zurück..
Viele Grüße nochmals aus Paraguay!
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Heinrich
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von Heinrich » Di 13. Aug 2013, 20:11

der Stern, der den Hammer hebt lässt sich mit etwas Kraft auf der Welle verdrehen (Vorsicht! Es besteht die Gefahr eines Zapfenbruchs!!!). Verdreh ihn so, daß der Hammer beim letzten Schlag und ganz kurz vor dem Stop des Schlagwerkes gerade abgefallen ist. Dann dürfte er sich auch erst kurz nach dem Anlauf wieder bewegen und somit dem Werk Zeit geben, ohne Last in Schwung zu kommen. Wenn das Verdrehen zu schwer geht mußt du die Platinen noch einmal etwas öffnen, dieses Rad um einen Zahn zurückstellen und dann den Ablauf neu beobachten. Wichtig: hierbei vorher unbedingt alle Zugfedern völlig entspannen!!. Der von dir erwähnte Rücklauf kommt von dem falschen Zusammenbau des Schlagwerkes. Die Hammerfeder und das Gewicht des Hammers drücken den teilweise angehobenen Hammer nach unten und damit das Hebnägelrad (den Hebestern) ein Stück zurück.
Heinrich

BTW: es gibt keine blöde Fragen sondern nur blöde Antworten!
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von canneletto » Mi 14. Aug 2013, 17:03

Stimmt! Die Feder drückt runter & dreht die beiden oberen zurück!
Ich warte jetzt, bis die Laufwerkfeder entspannt ist; dies wird in den nächsten beiden Tagen passieren, denke ich. Und zum Wochenende, wenn hier Sonntagabend wieder bisle Ruhe eingekehrt ist, werden ich die Platinen nochmals öffnen und den Stern drehen sowie das Anlaufrad umstecken- der Stern sitzt wirklich zuu fest auf der Welle, da gehe ich besser kein Risiko ein... Nach Erledigung melde ich mich direkt wieder!
Besten Dank für die Hilfe und viele Grüße aus dem kalten Paraguay! :x

canneletto
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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von canneletto » Fr 16. Aug 2013, 23:07

Moin, moin nochmal aus Paraguay!

http://www.youtube.com/watch?v=U4d-OYar_u4

...dann stimmt in dem gezeigten Filmchen aber der Sitz des Stiftes vom Anlaufrad nicht, oder? Denn eigentlich müßte der Stift ja Sekunden vorm ablaufen des Stundenschlages schon unten am Hebel arretiert sitzen, oder täusche ich mich da..? :shock:

****warum habe ich `84 nicht Uhrmacher gelernt???*** :twisted: :lol:

Allen hier im Forum wünsche ich ein schönes Wochenende!!

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Re: Stundenschlag für Gustav-Becker P42

Beitrag von wahli76 » Sa 17. Aug 2013, 06:31

Hallo canneletto,

Ich hab mir das Video ein paar mal angesehen und kann keinen Anlaufstift erkennen.

Nach erfolgtem Stundenschlag müßte jedoch der Hammer auf dem Anschlag (platinenseits) aufliegen und nicht auf dem Hebnagelrad (in deinem Fall Hebestern) und der Stift im Anlaufrad ca. 1/2 Umdrehung vom Anlaufhebel entfernt sein. Das kannst du ja auch ohne eingebautem Federhaus überprüfen, indem du die Räder von Hand weiterdrehst.

Viele Grüße

Kurt

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