die kleinen Staiger

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Burkhard Rasch
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die kleinen Staiger

Beitrag von Burkhard Rasch » So 11. Apr 2021, 15:07

als Ende der 50er Jahre Drehpendeluhren populär waren und sowohl hier in Deutschland als auch in Europa und den USA wieder Geld für Uhren ausgegeben werden konnte, versuchten mehrere Firmen, die bis dahin mit diesen Uhren nichts zu tun hatten, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und Drehpendeluhren auf den Markt zu bringen. Insbesondere das Geschäft mit den USA lockte, der Devisen wegen. Zum Teil entstanden Drehpendeluhren nach gänzlich anderen Konzepten als dem klassischen Torsionspendel, zum Teil "hing " man einfach an ein konventionelles Uhrwerk ein sich drehendes Pseudopendel an, nur um den Eindruck eines Drehpendels zu erzeugen.
Die Firma Staiger in St.Georgen im Schwarzwald hatte ursprünglich gar nichts mit Uhrmacherei zu tun: gegründet 1896 fertigte sie zunächst technische Geräte wie z.B. Karbidlampen an, in den 30ern verlegte sie sich auf die Produktion von Kunststoffteilen z.B. Seifenschaalen, Griffe für Bürsten und Rasierpinsel und nach dem WK II fertigte sie Plastikteile unter anderem für Wecker diverser Hersteller: Gehäuse,Zifferblätter und Knöpfe.
In den späten 50ern begann man dann mit der Herstellung einfacher Weckerwerke, die man in die eigenen Gehäuse einschalte.
Und jetzt wird´s spannend: irgendein Mitarbeiter von Staiger, der etwas von Drehpendeluhren verstand, nahm ein solches Werk,drehte es auf den Kopf und ersetzte die Unruhe (mit 300 BPM) durch ein geschickt aufgebautes echtes Torsionspendel mit 16 BPM. Nach Änderung des Zeigerwerkes wurde so aus einem 30Stunden Weckwerk eine 8 Tage Uhr .
Da ich nir gerade wieder eine für kleines Geld gekauft habe, stelle ich sie hier vor:
Es gibt verschiedene Gehäusevariationen, runde, ovale und diese hier von laternenartiger Gestalt. Die Gehäuse sind aus Kunststoff und trotz des Alters nicht vergilbt oder trübe.
Das Werk läßt seine Entstehung aus einem Weckerwerk der 50er Jahre erkennen, ich habe ein frühes Exemplar, bei dem zahlreiche leere Lagerbohrungen den Platz des Weckwerkes noch verraten.
Bei der zweiten und den folgenden Generationen ist der obere "Block" federnd aufgehängt, um ein Brechen der Pendelfeder zu vermeiden.
Die Hemmung ist eine seitlich wirkende Stiftenankerhemmung, ursprünglich lagen Unruhe,Ankerwelle und Ankerradwelle in einem Winkel von 90°.
Die Antriebsfeder ist offen, und die Pendelfeder weist -wie sonst nur bei Petersen- mit der breiten Seite zur Platine. Das Pendel ist ein klassisches Scheibenpendel mit 2 Reguliergewichten.
Die Uhr ist eine echte Torsionspendeluhr und enthält einige pfiffige Lösungen , sie ist im großen und ganzen recht ordentlich gearbeitet. Das Einziehen einer neuen Pendelfeder ist allerdings eine Qual!! Deshalb sind sicher viele dieser Uhren -weil sich die Reparatur nach Ansicht der Uhrmacher "nicht lohnt" weggeworfen worden.
Ich liebe die kleinen Staiger, und wenn sie in Ordnung sind laufen sie sehr gut und genau!
Die Firma Staiger baute später sehr interessante elektromechanische Werke und fusionierte in den 80er Jahren mit Kundo . Um das jahr 2000 ging sie bankrott.
Viel Spaß mit den Bildern!
Burkhard
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Sol lucet omnibus

Burkhard Rasch
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Re: die kleinen Staiger

Beitrag von Burkhard Rasch » So 11. Apr 2021, 15:11

noch ein paar Bilder der Staiger , im Vergleich dazu einige Pseudo-Torsionspendeluhren
Burkhard
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Sol lucet omnibus

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