Synchronuhr mit BimBam-Schlag

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Burkhard Rasch
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Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von Burkhard Rasch » Fr 7. Okt 2016, 21:16

Hallo liebe Uhrenfreunde! Mein erster Beitrag hier,laßt Gnade walten wenn ich was verkehrt mache!Wer weiß etwas über diese Uhr,die ich jüngst erworben habe? In einem sehr sparsamen Gehäuse der 30er,40er Jahre fand ich dieses Werk mit Bim-Bam Schlag zur halben und vollen Stunde.Es wird mit einem Synchronwerk angetrieben,wahlweise mit 110 oder 220 Volt/50Hz.Es gibt nur einen Strang von Zahnrädern,die die Bewegung vom Motor bis zum Zeigerwerk übertragen.Die erste Achse-vom Motor aus gezählt-trug vermutlich mal eine zweifarbige Pappscheibe zur Anzeige des Ganges,die man durch die Öffnung im Zifferblatt sehen konnte.Die zweite Achse trägt neben einem sehr breiten Trieb und einem normalen Zahnrad ein sternförmiges "Rad" mit 4 abgrundeten "Zähnen".Die Achse dreht sich kontinuierlich,wenn die Uhr läuft. Diese Achse hat überlange Zapfen,die vorne und hinten die Platinen überragen. Sie wird bei der Schlagwerkauslösung ca 3 mm in Richtung auf die vordere Platine verschoben,dadurch kommen die abgerundeten "Hebezähne" in Kontakt mit den Hebeln der Schlagwerkshämmer und die Hämmer werden bewegt,die Uhr schlägt.Am Ende der Schlagsequenz hebt der Rechen einen kleinen Umlenkhebel an,der dann die 2.Achse wieder 3mm nach rückwärts verschiebt und somit das "Hebnägelrad" und die Hämmer trennt.
Die Konstruktion ist m.E. genial einfach,ob sie auch zuverlässig ist, kann ich noch nicht sagen,die Uhr bleibt auch nach einer ersten Reinigung gerne mal am Ende einer Schlagsequenz stehen,da der Synchronmotor offensichtlich nicht genug power hat um die Hämmer ein letztes Mal anzuheben und gleichzeitig das Verschieben der Achse zu bewirken.Wer kennt diese Konstruktion oder weiß irgendetwas darüber?
Vielen Dank im Voraus!
Burkhard
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Typ1-2-3
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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von Typ1-2-3 » Fr 7. Okt 2016, 22:06

Am Synchronmotor kann man gut den Hersteller der entsprechenden Uhren erkennen, denn es ist natürlich für ein Konstruktionsbüro einfacher, eine schon vorhandene Konstruktion weiter zu verwenden, als einen vollkommenen Neuentwurf zu bauen. Daher habe ich mal im Thiesen nachgesehen und bin eventuell fündig geworden:

Bild

Im Buch wird zwar nicht von einer Schlagwerkuhr gesprochen, aber ich könnte mir vorstellen, dass das genau der Motor ist.

Zum Hersteller steht:
Die Uhr mit Anwerfmotor der Firma Emil Speck in Schwenningen zeigt in Aufbau, Größe und Ansicht keine Avweichungen von den normalen runden Werken. Konstruktiv bemerkenswert ist der aus drei Scheiben bestehende Rotor. Wie in der Uhrenindustrie vielfach üblich, sind die beiden Anschlussschrauben auf einem Bakelitstreifen befestigt, der dan den beiden unteren Werkpfeilern verschraubt ist...
Bei Interesse gibt es noch (nur etwas) mehr aus dem Buch. Der Abschnitt ist kurz, aber vielleicht sollte man erst mal ermitteln, ob das genau der Motor ist.

Grüße
Frank

Im Flume Werksucher ist übrigens die Firma Speck auch noch gelistet, aber dort gibt es nur noch mechanische Uhrwerke. Dort läuft die Firma unter dem Kürzel Esu. Vielleicht hilft das bei der Suche.

F

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droba
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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von droba » Fr 7. Okt 2016, 23:38

Hallo Burkhard- willkommen im Forum!

Prima Frank!, das ist genau der Synchronmotor! Und es ist auch bekannt, dass Emil Speck vor dem Krieg auch Uhren mit Synchron- und Batteriewerken angeboten hat. Speck hat aber nach dem Krieg laut seinen Anzeigen nur noch mechanische Werke hergestellt.

Der Grund dürfte sein, dass Speck wegen seiner Nazi-Vergangenheit von den Alliierten bis zur letzten Schraube demontiert wurde. Und deshalb wundert es mich auch nicht, dass Speck in den 1950er Jahren im Flume-Werksucher nur mit mech. Werken vermerkt ist.

Dann muss Burkhards Uhr also noch Vorkriegsware sein.

Droba

Burkhard Rasch
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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von Burkhard Rasch » Sa 8. Okt 2016, 09:39

vielen Dank für die Identifikation des Motors! Ich habe inzwischer herausgefunden,daß verschiedene deutsche Firmen Synchronuhren mit Schlagwerk herausgebracht habe,die häufigste scheint Mauthe gewesen zu sein.Das entsprechende Werk habe ich auch in Bildern gefunden,es funktioniert allerdings ganz anders als das hier.Hat jemand von Euch Zeichnungen der verschiedenen Junghans-Konstruktionen? Von einem Fachmann ist auch URGOS in´s Gespräch gebracht worden,hier scheint das Konstruktionsprinzip der axial verschiebbaren Welle umgesetzt zu sein.Hat jemand dazu Bilder?
Es bleibt interessant!
Danke
Burkhard
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droba
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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von droba » Sa 8. Okt 2016, 10:05

Burkhard, dazu gibt es eine Buchempfehlung: Gernot Stähle "Die elektrischen Uhren im Stadtmuseum Schramberg" . Dort werden verschiedene deutsche und internationale Synchron-Werke beschrieben und gezeigt, darunter auch 2 Junghans-Werke.

Zum Hinweis auf URGOS: Die Firma URGOS ist dafür bekannt, dass sie selbst eigentlich keine Uhrwerke selbst entwickelt hat, sondern immer nur Werkzeuge kleinerer Firmen aufgekauft hat, die die eigene Fertigung eingestellt haben. Insofern wäre nicht zu verwundern, wenn das URGOS-Synchronwerk nicht wirklich URGOS ist. Auch AEG-Synchronwerke der 1930er Jahre stammen in Wirklichkeit von Mauthe.

Du siehst: In Wirklichkeit geht es bei Synchronuhren ziemlich durcheinander und nicht immer steckt in einer Uhr auch das drin, was außen drauf steht. Ich hatte mal eine Mühlheim-Uhr mit einem Synchronwerk von Palmtag.

Freundlicher Gruß!

Droba

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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von Typ1-2-3 » Sa 8. Okt 2016, 14:26

Gerade für die Urgos-Uhr mit Schlagwerk kann ich bestätigen, dass das Uhrwerk anders ist, denn so eine Uhr hatte ich schon mal hier. Das Prinzip ist ähnlich, aber die Ausführung unterscheidet sich doch erheblich. Auch der Motor ist ganz anders aufgebaut.

Frank

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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von Typ1-2-3 » Sa 8. Okt 2016, 16:37

Hier mal ein Bild vom Schlagwerk der Urgos-Uhr. Man sieht auf den ersten Blick, dass das Schlagwerk mit der Uhr von Emil Speck nicht das geringste zu tun hat, obwohl das umgesetzte Prinzip sehr ähnlich ist:

Bild

Frank

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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von Burkhard Rasch » Sa 8. Okt 2016, 19:41

Ich versuche noch ein paar Bilder zu zeigen,Details von der 2.Achse und dem Ein-Auskuppel-Mechanismus. Schlüssel des Ganzen ist der etwas friemelig aussehende Draht-Umlenkhebel, der in einem kurzen Messingpfosten auf der Frontplatine beweglich gelageri ist und der-wenn durch den Rechen am Ende der Schlagzahl angehoben-mittels eines runden Messingnockens die Welle wieder zurück schiebt.
Außerdem habe ich im Gehäuse die originale schwarz-weiße Rotationsscheibe gefunden!
Burkhard
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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von Berrnd-Klaus » So 9. Okt 2016, 21:59

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Hallo,

ich habe hier ein Synchronwerk von Palmtag ,es hat die Maße B 80 x H 91 x T 20.Ich glaube es ist identisch mit Deinem Werk,jedoch ohne Schlagwerk
Ich habe einige Werke bei der Auflösung von Palmtag bekommen.Es ist aber nicht gemarktet.Anbei noch ein rundes Synchronwerk
mit Bim-Bam - Schlag von Palmtag,auch davon habe ich 3 Werke.Ich glaube diese Werke wurden nach 1950 hergestellt.

Gruß Bernd-Klaus
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Re: Synchronuhr mit BimBam-Schlag

Beitrag von droba » Di 11. Okt 2016, 09:01

Hallo Bernd-Klaus,

ich bin mit Synchron-Werken nicht sehr vertraut. Wir wissen aber, dass Emil Speck nur vor dem Krieg Synchron-Werke hergestellt hat und danach nicht mehr.

Wenn Du jetzt auf Ähnlichkeiten von Burkhards Werk mit Palmtag hinweist:

Hältst Du für möglich, dass Palmtag das Werk und die Werkzeuge von Speck übernommen und nach dem Krieg weiter gefertigt hat?
(Denn wir wissen, dass Palmtag auch Werkzeuge von anderen Firmen weiter verwendet hat, insofern halte ich das schon für möglich.)

Freundliche Grüße!

Droba

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