Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Vorstellung von Uhren und Uhrensystemen
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Typ1-2-3
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Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von Typ1-2-3 » Sa 16. Mär 2013, 15:06

Hier möchte ich eine sehr einfache elektrische Vorkriegs-Uhr vorstellen. Sie hat einen relativ frühen elektrischen Unruhschwinger, der noch etwas anders funktioniert als die zahllosen Nachfolger.

Die Uhr kommt von Detex-Union. Batterie-Uhren ab 1938. Das Uhrwerk kommt aus der Schweiz, wahrscheinlich von Orel, Locarno. Schweiz. (Quelle Mikrolisk). Orel hat noch andere Werke gebaut, mit ähnlicher Funktion.

Das Gehäuse besteht aus Bakelit und ist sehr einfach gestaltet.

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Nur die Ziffern sind mit Goldbronze bemalt, die Zeiger aus Messing mit der gleichen Bemalung.

Von hinten kann man auf den ersten Blick nur eine Abdeckung aus Blech erkennen:

Bild

Diesen Deckel kann man einfach entfernen, indem man 2 Rändelschrauben löst. Darunter kommt ein Batteriefach für eine flache 4,5 Volt-Batterie zum Vorschein, und ein kleines Uhrwerk.

Bild

Das Uhrwerk ist mit einer Zentralmutter am Gehäuse befestigt und hat eine recht hohe Qualität:

Bild

Die Funktion ist einfach: Bei der 1. Halbschwingung wird ein Kontakt geschlossen, der als K bezeichnet ist. Die Spule S bekommt einen kurzen Stromstoß. Über A wird der Magnetismus konzentriert auf den Luftspalt geleitet, durch den ein Weicheisenanker, der sich mit auf der Unruh befindet, schwingt. Kurz bevor der Weicheisenanker W durch den Luftspalt geht, wird der Kontakt geschlossen, der Anker wird angezogen. Kurz vor dem Nullpunkt öffnet sich der Kontakt, die Unruh kann weiter schwingen. Bei der Rückschwingung (2. Halbschwingung) wird der Kontakt nur extrem kurz geschlossen. Dabei ist der Anker W aber so weit vom Luftspalt entfernt, dass das keine Auswirkung auf die Unruh haben soll.

Die Schwingungen werden gezählt, indem die Unruh ein Schaltrad S antreibt. Ein einfaches und erstaunlich kleines Räderwerk bewegt die Zeiger weiter.

Die Uhr ließ sich gut auf der Zeitwaage einregulieren und soll mit einer Flachbatterie 6 bis 8 Monate laufen.

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Frank

petsch
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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von petsch » So 17. Mär 2013, 07:42

Hallo Frank,
für mich ist immer wieder erstaunlich wieviele Varianten es bei den elektrischen Uhren gab.
Danke fürs Zeigen !

Gruß
Peter

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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von KleineSekunde » Mo 18. Mär 2013, 21:22

Hallo Frank,

vielen Dank für die Vorstellung!

Die Oberfläche des Bakelit-Gehäuses scheint ziemlich glänzend zu sein. Hast du die überarbeitet? Oder war sie in diesem Zustand?

Bislang hatte ich die Bakelit-Oberfläche meiner Uhr mit Autopolitur und mikrokristallinem Wachs behandelt. Die - zugegeben vorher eher stumpfe Oberfläche - ist nun deutlich schöner geworden, wirklich glänzend ist sie aber nicht (muss sie meiner Meinung nach aber auch nicht sein).

Vielen Dank!

Schöne Grüße

Guido

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Typ1-2-3
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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von Typ1-2-3 » Di 19. Mär 2013, 15:30

Die Uhr ist ganz einfach nur mit Liberon Möbelreiniger gereinigt worden. Da kam dann der Schmodder von ein paar Jahrzehnten herunter, und dann sah sie so aus. Keinerlei Autopolitur mit Schleifkörpern, gar nicht nötig.

Frank

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droba
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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von droba » Di 19. Mär 2013, 19:37

Hallo Frank,

eine sehr schöne Vorstellung dieser Uhr! Und das Uhrwerk macht wirklich einen soliden Eindruck!

Frage: Wer war die Firma Detex Union? Ein Hersteller? Oder ist das eine Werbeuhr?

droba

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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von Typ1-2-3 » Di 19. Mär 2013, 19:58

Ganz oben, 2. Absatz. Da steht alles, was ich über diesen Hersteller weiß

Frank

Wynen
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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von Wynen » Di 26. Mär 2013, 08:39

Hallo Frank, hallo droba,

1. Detex-Union GmbH Berlin-Friedenau
Da gibt es wahrscheinlich nicht mehr Infos als:
"Die Firma wurde nur 1938 erwähnt und bestand wohl nur für kurze Zeit" (Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie, 2. Auflage)

2. Das Werk ist eindeutig ein Orel Werk (nach Mikrolisk: Henri Buèche-Rossé, Fabbrica Orel, Court, Schweiz), wie ein Vergleich mit der Abbildung im Flume Werksuche von 1957 zeigt.

3. Im Bestand des Stadtmuseums Schramberg (Inventar Nr. 4051) gibt es eine Wanduhr (mit verchromten Metallgehäuse) mit dem gleichen Orel Werk, welche laut Junghans-Inventarbuch (stammt also noch aus der Junghans Mustersammlung) auch der Detex-Union GmbH, Berlin zugeschrieben wurde. (vgl. Ausstellungskatalog "Die elektrischen Uhren im Stadtmuseum Schramberg" von 2007)

4. Ich selbst besitze eine zu Franks Uhr nahezu identische Uhr (Bakelitgehäuse, Orel-Werk). Einziger Unterschied: Meine hat als Hersteller "EXA" auf dem Zifferblatt stehen, wahrscheinlich (wieder nach Mikrolisk): EXA Fabrique d'Horlogerie Genf, Schweiz

Der Verdacht liegt nahe, dass die Detex Uniion diese Uhr 1938 fertig aus der Schweiz bezogen hat.

Gruß
Hartmut

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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von droba » Mi 3. Apr 2013, 10:39

Hallo Hartmut, Danke für Deine Angaben! Mir kam schon der Gedanke, ob das nicht nur Werbeuhren waren.

droba

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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von Typ1-2-3 » Sa 19. Okt 2013, 14:25

Bei Ebay ist jetzt so eine Uhr unterwegs, sogar im besseren Zustand

http://www.ebay.de/itm/alte-elektrische ... 46148f50e1

Frank

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Re: Detex Union – eine einfache elektrische Vorkriegsuhr

Beitrag von droba » Do 8. Okt 2015, 11:30

Ich ziehe diesen Thread nochmals hoch, da ich in den Uhrmacherzeitungen weitere Informationen gefunden habe.

Die "Detex-Union GmbH." vertrieb diese Uhren ab dem Jahr 1936 und warb bis 1938 aktiv für diese Uhrenart. Wie hier schon erwähnt wurde, stammten die Uhrwerke von Orel in der Schweiz, die Gehäuse scheinen aber in Berlin hergestellt worden zu sein.

Die Detex-Uhr kostete in der einfachsten Ausführung mit Bakelit-Gehäuse RM 19,50. Es gab aber auch Detex-Uhren in aufwändigeren Holz-Gehäusen.

Die Firma Detex warb für diese Uhren mit dem Hinweis auf die lange Haltbarkeit der 4,5-Volt Flachbatterien von etwa 1 Jahr. Sowohl die Unruhe, wie auch das Zeigerwerk werden bei diesem Uhrwerk durch die Batterie angetrieben.

Diese Orel-Werke wurden 2 mal in deutschen Uhrmacherzeitungen ausführlich besprochen. Dabei wurde die gute Verarbeitung der Werke hervorgehoben. Bemängelt wurde aber besonders im zweiten Bericht, dass die Genauigkeit des Uhrwerkes mit schwächer-werdender Batterie zurückgeht. Es wurde deshalb empfohlen, die Batterien schon nach etwa 3 Monaten zu wechseln. Da Batterien zum damaligen Zeitpunkt durchaus ein Kostenfaktor waren (im Gegensatz zu heute), sprach der hohe Stromverbauch gegen die Konstruktion dieser Orel-Werke.

Detex-Uhren scheinen aber in Deutschland bis zum Krieg noch angeboten worden zu sein; die letzte Erwähnung der Detex-Uhr stammt aus dem Jahr 1941.

droba

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