Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Vorstellung von Uhren und Uhrensystemen
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karlo

Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von karlo » Fr 7. Okt 2011, 19:38

Ich hab jetzt nicht den ganzen Thread im Kopf, bzgl. Alter der Uhr.
Aber womit haette man damals Glas kleben sollen?

Zumal kleben unter Uhrmachern/Feinmechanikern, usw. bis vor 20 Jahren (bei ewig gestrigen auch heute noch) absolut ein Unding war. Obwohl heisskleben mit Zinn stark verbreitet ist.

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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von asur » Fr 7. Okt 2011, 19:56

Heiskleben mit Zinn = löten???

karlo

Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von karlo » Fr 7. Okt 2011, 20:58

Dachrinnen kann man loeten, alles andere ist Schwermetall-Heisskleben. :-)

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walter der jüngere
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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von walter der jüngere » Fr 7. Okt 2011, 21:43

Hallo,

zum Thema Glas verbinden abschließend, da OT:
Ein helfendes Stichwort: Kitt.

Wenn ich mich richtig erinnere:
Man nehme z.B. Flußspatmehl, Glasmehl und Wasserglas,
das Gemenge wird beim Trocknen hart und nahezu unsichtbar.

Walter d. J. (Moderator)

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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von Typ1-2-3 » Mi 12. Okt 2011, 19:53

Beim Regulieren habe ich es gemerkt: Man hat sich bei der Konstruktion tatsächlich was gedacht, als man die große Reguliermutter mit Skalenstrichen ausgerüstet hat: Ein Skalenstrich macht genau eine Sekunde am Tag. Mit Zentralsekunde ist die Uhr dann ruck-zuck und sehr genau einreguliert. Stark!

Frank

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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von Taloon » Mi 12. Okt 2011, 20:25

Aber so die Konstruktionsunterlagen oder Kopien davon hast du nicht zufällig ?

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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von Typ1-2-3 » Do 13. Okt 2011, 11:57

Die hätte ich gerne! Es gibt zwar eine Zeichnung eines früheren Modells:

http://www.electricclockarchive.org/Clo ... x?moid=280

Aber leider gibt es wohl nirgendwo diese Unterlagen. Auch nicht bei anderen Sammlern! Was ich an sich nicht verstehe. Ich habe von meiner Meisterprüfung und meinem angefertigten Stück natürlich auch noch die Zeichnungen! Und das wird ja bei dieser Schüleruhr doch genau so gewesen sein. Aber die scheinen alle verloren gegangen zu sein, weil die vielleicht nicht zusammen mit der Uhr aufgehoben wurden. Der Fuß, in der die Batterie versteckt ist, hätte wohl genug Platz dazu gehabt. Aber die Uhren haben ja ihr gewisses Alter, und bei so einer Wohnungsauflösung wird dann auch viel weggeworfen...

Übrigens kann ich - wenn ich Glück habe - demnächst eine Medaille des Planers dieser Uhren bekommen. Wenn ich die dann habe, demnächst in diesem Theater.

Frank

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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von Typ1-2-3 » Sa 15. Okt 2011, 11:13

Als Abschluss noch ein Bild des Konstrukteurs dieser Uhren:

Bild

Und noch die Rückseite: Abbildung der Schule in Cluses:

Bild

Es war schon abenteuerlich, an diese Medaille zu kommen. Die hat jemand in Frankreich bei Ebay angeboten. Die Auktion war aber schon abgelaufen und keiner wollte die. Außerdem war sie relativ preisgünstig, andere der gleichen Art waren 3x so teuer.
Leider sprach der Anbieter kein Deutsch und kein Englisch, ich kann so gut wie kein Französisch! Und dann so was kompliziertes wie etwas kaufen zu wollen, bei dem die Auktion schon abgelaufen war. Allein die Bezahlmodalitäten ins Ausland ohne Ebay zu klären brauchte schon regen "Briefwechsel". Offensichtlich haben wir uns aber - trotz aller Verständigungsschwierigkeiten - verstanden, denn die Medaille ist hier angekommen!

Jedenfalls ist die Uhr jetzt so komplett, wie sie nur sein kann. Wäre natürlich schön, wenn es dazu noch Pläne gäbe, aber was solls!

Frank

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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von Typ1-2-3 » Fr 8. Mai 2015, 19:49

Ich schreibe diesen Thread einfach weiter, denn bei meiner Neuerwerbung handelt es sich um eine frühe Uhr von der Uhrmacherschule Cluses. Insgesamt wurden 3 Serien von elektrischen Wanduhren gebaut: Die 1. Serie war eine Sekundenpendeluhr mit elektrischem Motoraufzug. Diese Uhren sind äußerst selten und auf dem freien Markt quasi gar nicht zu bekommen. Meistens werden diese Uhren unter Freunden – und dann für einen hohen Preis – weitergegeben.
Bei der hier vorgestellten Uhr handelt es sich um eine der 2. Serie, mit gebogenem Glas, auf einer Marmorplatte aufgebaut. Die 3. Serie ist die Uhr am Anfang des Threads. Meine Uhr wurde in Mannheim auf dem Elektrouhrenmarkt angeboten. Da ich diese Uhr wunderschön fand, musste ich sie trotz des für mich hohen Preises – der aber nicht überzogen war – kaufen. Das erste Bild zeigt den „Fundzustand“.

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Auf dem ersten und auch auf dem 2. Blick eine sehr gut erhaltene Uhr. Vor allen Dingen ist das gebogene Glas noch in Ordnung. Laut Verkäufer hat diese Uhr mehr als 20 Jahre gehangen, ohne zu laufen, was ich auch glaube. Denn in der Uhr hat sich noch eine ausgelaufene (!) Batterie befunden, die im Oktober 1986 eingesetzt worden war.

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Dementsprechend übel sah auch der Batteriehalter aus.

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Viel schlimmer aber war, dass die Batterieflüssigkeit an der Marmorplatte heruntergelaufen war und bis zum Messingschild rechts unten gekommen ist. Dort allerdings war Ende, weiter ist die Flüssigkeit nicht gekommen und hat daher das Gehäuse nicht angegriffen.

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Die Uhr ließ sich auch mit neuer Zelle nicht zum Gehen bewegen. Die Spule war aber in Ordnung, und nach Reinigung aller Kontakte lief die Uhr mit einer Differenz von nur 6 Sekunden pro Tag ohne jede Regulierung. Die Aufarbeitung der Uhr belief sich also nur auf Kosmetik. Nur das war eine ganze Menge Arbeit.

Das einzig Gute an der ausgelaufenen Zelle war, dass es sich bei der Flüssigkeit, die ausgelaufen war, nicht um Säure handelte, sondern um Lauge. Beim Schlachten der alten Zelle kam eine Alkalizelle zum Vorschein. Ansonsten wäre auch die Marmorplatte nicht unbeschädigt geblieben, denn Marmor reagiert auf Säure mit Auflösung seiner Struktur.

Da von der Oberfläche der Batteriehalterung nicht mehr viel zu sehen war, hatte ich keinerlei Bedenken, sie nach einer groben Reinigung in den Sandsturm zu schicken. Danach habe ich wieder den „Wildschliff“ aufgebracht, der noch zu erahnen war und der sich ähnlich auch auf der Werk- und Pendelhalterung befand. Nach der Behandlung war die Halterung wieder ansprechend.

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Beim Schild hatte ich zunächst mehr Bedenken. Zunächst: Wie geht es von der Marmorplatte ab? Ist es geklebt? Und wie? Das würde man ja auch heute so machen, aber bei dieser alten Uhr hat man sich nicht gescheut, ein großes Loch in die Marmorplatte zu bohren, um mit einem aufgelöteten Gewindestück (ca. M 6!), Mutter und großer Unterlegscheibe das kleine Schild zu befestigen.

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Auch hier sieht man wie bei der Batteriehalterung die Fraßspuren. Diese ließen sich aber einfach entfernen. Ich war allerdings gespannt, ob man die Beschriftung auf der Vorderseite noch retten konnte. Ich konnte aber von Glück zu reden, dass keine Batteriesäure ausgelaufen war. Das Schild ließ sich auf feinem Schmirgelpapier wieder abziehen, und da die Schrift graviert und mit Farbe gefüllt war, blieben nur kleine Beschädigungen auf der Messingoberfläche zurück, die tolerierbar sind.

Bild

Im Gegensatz zu den meisten anderen Uhren aus der Uhrmacherschule gibt es auf dem Schild keinen Namen des Herstellers, sondern nur eine Nummer. Eine Musteruhr? Die Uhr ist eindeutig aus der Uhrmacherschule und handgemacht. Anrisslinien auf der Platine sind noch zu sehen, und der Aufwand bei der Herstellung der spiegelpolierten Triebe wären bei Serienherstellung einer Uhr nicht vertretbar gewesen. Da sich wahrscheinlich keine Unterlagen mehr in der Schule befinden, lässt es sich nicht mehr ermitteln, wer genau diese Uhr gebaut hat.

Der Rest war mehr oder weniger Routine – wenn die ausgelaufene Batterie nicht gewesen wäre. Das Gehäuse ließ sich mit Poliermittel für Schelllack tadellos aufarbeiten und glänzt wieder wunderschön. Beim Uhrwerk gab es allerdings eine Schwierigkeit: Bei einer Reinigung hat irgendjemand das Werk mit Klarlack angestrichen. Und dieser hat wohl mit der Lauge aus der Batterie reagiert und die Platinen dunkelbraun anlaufen lassen. Der Lack selbst ließ sich mit Aceton entfernen, der Belag nicht. Weil die Werkplatten vorne eine Perlierung haben, wollte ich nicht einfach alles mit der Maschine oder Poliermittel polieren. Mit Reinigungslösung wie Elma rot ließ sich der Belag aber nicht entfernen. Also habe ich mir Nevr Dull Polierwatte besorgt, die ich vom Oldtimer-Handwerk her kenne: Es handelt sich um getränkte Baumwollwatte, die jegliche Oberflächen tadellos polieren sollte. Der Versuch zeigte, dass ich das richtige Mittel gewählt habe: Die Perlierung blieb erhalten, während sich der Belag mit sehr viel Mühe entfernen ließ. So wurden die Messingteile wieder ansehnlich. Den ersten Versuch an einer unauffälligen Ecke zeigt das Bild.

Bild

Der Zifferblattring ließ sich aber nicht polieren, denn das Zifferblatt ist aus Papier (wie bei allen diesen Uhren) und fest mit dem Ring verbunden. Ohne Verschmutzung des Blattes wäre eine Politur nicht möglich gewesen.

Also wurde nur das Uhrwerk wieder aufgehübscht, ebenso wie das Schild und die Batteriehalterung. Alles wurde peinlichst gereinigt, entfettet und danach nur noch mit Handschuhen angefasst. Momentan ist natürlich das frische Messing heller als die älteren Teile. Nach einer Weile werden sie nachdunkeln, und dann muss alles noch einmal auseinander und mit Wachs konserviert werden. Aber schon jetzt ist die Uhr ein Schmuckstück, und nach der Reinigung ist die Pendelamplitude erheblich gewachsen.

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Die Batteriekabel waren übrigens noch erhalten, nur waren die Stoffummantelungen der Kabel durch die Batterielauge arg nachgedunkelt. Auch das konnte man noch entfernen...

janekp
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Re: Interessante Uhr von Uhrmacherschule Cluses

Beitrag von janekp » Fr 8. Mai 2015, 20:28

Schöne Uhr !!!
Sehr selten.
Die Bilder von der anderer Server.
Bild Bild Bild Bild

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