Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Vorstellung von Uhren und Uhrensystemen
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besra
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Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von besra » Mi 5. Mär 2014, 23:17

Hallo,

Nebenuhren gab und gibt es ja in verschiedensten Ausführungen. Die, die man auf Bahnsteigen oder in Fabrikhallen antrifft, sind sicher allgemein bekannt.
Diese hier kann man wahrscheinlich als Schmucknebenuhr bezeichnen. Noch ist sie aber gar nicht so schmuck, denn es ist noch einiges an Putz- und Polierarbeit zu leisten. Deshalb heute nur die Vorstellung des Nebenuhrwerkes in aller Kürze, der Rest folgt später.
Die Einzelteile: Viel ist es nicht
SAM_3447b.jpg
Die Lagerbuchse des Motors auf der hinteren Platine
SAM_3451.JPG
war mit Fett geschmiert und ist von hinten mit einer Stahlkugel verschlossen:
SAM_3453b.jpg
Stundenwelle und Zwischenrad (ich bitte um Nachsicht, falls diese und andere Bezeichnungen falsch sein sollten, die Terminologie ist mir noch nicht geläufig):
SAM_3476.JPG
Der Motor wird mit zwei Muttern SW 11 und zwei Schrauben befestigt - das hält:
SAM_3478b.jpg
Jetzt noch das Zahnrad mit der Minutenwelle
SAM_3479.JPG
und zum Schluss die vordere Platine und das aufgeklemmte Rädchen für die manuelle Zeiteinstellung.
SAM_3481.JPG
Das komplette Werk mit Abdeckung und Halterung:
SAM_3482b.jpg
Nettes Detail am Rande: Der Riegel zur Befestigung der Abdeckung ist gebläut.

Soweit zum Werk. Falls jemand weiß, in welchem Zeitraum diese runden Nebenuhrwerke von TN hergestellt wurden - es würde mich interessieren. Die mir bekannten Werke aus den 1970er Jahren hatten eckige Gehäuse und Kunststoffzahnräder, also wird dieses wohl älter sein!?

Schöne Grüße
Bernd
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besra
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Re: Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von besra » Mi 19. Mär 2014, 18:22

So,

nun geht es hier endlich weiter - das Wetter war die meiste Zeit einfach zu schön :).
Allerdings hatte es diese Uhr auch irgendwie in sich: So viele Teile, so viel Messing, so viel zu polieren. Aber seht selbst, wie aufwändig TN damals solche Nebenuhren konstruiert hat.

Da wären ein Ziffernblatt ohne Ziffern,
SAM_3507b.jpg
ein lackierter Messingreif mit vielen, wirklich vielen Bohrungen
SAM_3505b.jpg
und genauso viele Schrauben
SAM_3506b.jpg
und ganz, ganz viel Messing. Insgesamt immerhin 226g.
SAM_3508b.jpg
Es gab viel zu tun. Hier einmal sechs Stundenmarken, so wie sie ursprünglich aussahen, nach dem Reinigungsbad und poliert und gewachst (von oben nach unten).
SAM_3495b.jpg
Der Skalenring sieht dann komplett so aus:
SAM_3510b.jpg
Jeder Stundenstrich ist mit zwei Schrauben und jeder Minutenstrich mit einer Schraube am Ring befestigt.
Mit dem Ziffernblatt vervollständigt, mit dem Uhrwerk verheiratet und um die Zeiger ergänzt sieht die komplette Nebenuhr dann so aus:
SAM_3514b.jpg
SAM_3513.JPG
Ich finde, jetzt schmückt sie wieder und darf sich Schmuckuhr nennen.

Viele Grüße
Bernd
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KleineSekunde
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Re: Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von KleineSekunde » Mi 19. Mär 2014, 21:47

Hallo Bernd,

ich denke, der mühevolle Aufwand hat sich doch wirklich gelohnt!

Ich gebe zu, dass die Uhr leider nicht so ganz meinen Geschmack trift, aber ich finde es wirklich interessant und bemerkenswert, wie viel Aufwand zur Herstellung hier betrieben wurde. Dadurch lässt sich die Uhr auch heute noch in einen neuwertigen Zustand bringen. Bei vielen "modernen" Produkten wäre dies aufgrund der Herstellweise leider "weder für Geld noch gute Worte" machbar...
besra hat geschrieben:Es gab viel zu tun. Hier einmal sechs Stundenmarken, so wie sie ursprünglich aussahen, nach dem Reinigungsbad und poliert und gewachst
Welches Wachs hast du denn verwendet? War es das hier schon häufiger genannte mikrokristalline Wachs oder etwas anderes?

Vielleicht habe ich es überlesen: Ist denn auch eine passende Hauptuhr vorhanden? Falls ja, würden wir uns natürlich auch über eine Vorstellung hier im Forum freuen!

Viel Spaß jedenfalls mit der Uhr!

Schöne Grüße

Guido / KleineSekunde

besra
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Re: Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von besra » Mi 19. Mär 2014, 23:32

Hallo Guido,

über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten und zum Thema Schönheit hast Du schon treffend formuliert:
KleineSekunde hat geschrieben:Die Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters...
Das war zum Thema TN HU mit Einbaunetzteil: Pendelausschlag. Dies wäre dann auch die Hauptuhr, mit der diese Nebenuhr aller Voraussicht nach betrieben werden wird ;) . Alternativ käme noch meine ganz persönliche "Hauptuhr" in Betracht: Diese hier. Also, Du hast es wirklich überlesen bzw. aus der Erinnerung verbannt ;). Macht aber nichts, Du bist schließlich fast immer der Erste, der antwortet und bei so vielen Themen fällt garantiert einmal etwas durch den Rost!
Ob die Uhr also schön ist oder nicht, das ist allemal eine Geschmacksfrage. Richtig zur Geltung kommen wird sie auch nur vor einem passenden Hintergrund, also vielleicht auf Holz oder einer farbigen Tapete, sicher jedoch nicht auf reinem Weiß, wie auf meinen Fotos. Den passenden Platz muss ich aber auch erst noch finden. Da müssen Kabel gezogen werden und so etwas bedeutet immer ein gewisses Konfliktpotenzial bzw. bedarf ausführlicher, bilateraler Erörterung. Den Mitlesenden ist bestimmt klar, was ich meine.
Zum Thema Wachs: Genau, mikrokristallines Wachs, Renaissance Wax Polish um genau zu sein. Erfahrung habe ich damit allerdings noch keine. Ich hoffe nur inständig, dass ich damit die richtige Wahl getroffen und das "Zeugs" richtig angewendet habe, denn ich möchte diese vielen Teile, ehrlich gesagt, auf keinen Fall noch einmal alle einzeln polieren müssen. Immerhin hat jeder Stunden- und Minutenstrich sechs Seiten - gut, die Unterseite könnte man außen vor lassen, aber wenn man schon einmal dabei ist...
KleineSekunde hat geschrieben:wirklich interessant und bemerkenswert, wie viel Aufwand zur Herstellung hier betrieben wurde. Dadurch lässt sich die Uhr auch heute noch in einen neuwertigen Zustand bringen. Bei vielen "modernen" Produkten wäre dies aufgrund der Herstellweise leider "weder für Geld noch gute Worte" machbar...
Eben, das denke ich auch. Wenn man alleine bedenkt, welchen Aufwand die Montage der Messingteile bedeutet haben muss, auch wenn es sicher eine Schablone gab und insbesondere die Minutenstriche sicher nicht einzeln ausgerichtet zu werden brauchten. Trotzdem hat das damals bestimmt kein Roboter gemacht, war also arbeitsaufwendig und teuer. Und das Material selbst ist ja auch nicht zu verachten.

Grüße
Bernd

helsper
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Re: Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von helsper » Do 20. Mär 2014, 09:06

Das Design der Uhr ist typisch für die 1950er Jahre. Damals sahen die Treppengeländer in öffentlichen Gebäuden und Schulen genauso aus.

Das Werk ist die Ablösung der großen Hufeisenmagnet-Bauart der Vorkriegszeit und war erst möglich nach dem Aufkommen der Ferrit- und AlNiCo-Magnete. Im ersten Nachkriegskatalog von T&N ist es aufgeführt, ein genaues Einführungsjahr ist mir nicht bekannt.

Eines ist bei diesen Werken zu beachten: auf der Welle des Ankers sitzt eine federbelastete Schleuderscheibe, die ein Dämpfen der schlagartig bewegten Massen herbei führen soll. Wenn die fehlt springen die Zeiger womöglich zu weit. Wir haben schon Werke gesehen, die von nicht ganz sachkundigem Wartungspersonal dermaßen gefettet waren, daß die Schleuderscheibe nicht mehr drehen konnte. Das war die Ursache einer ansonsten unerklärlichen Fehlfunktion der Nebenuhr. Leider sieht man die Teile von außen nicht, sie sind unter einer Haube verborgen.

Bei einer Generalüberholung schadet es daher nicht, auch diese Stelle zu inspizieren. Dazu muß man die Laschen der Schutzhaube aufbiegen, was normalerweise kein Problem ist.

Das Blechpaket des Stators sitzt "eigentlich" recht stramm in seinen Führungsbolzen- und Stiften. Trotzdem kann es passieren, daß beim Zusammenbau und Anziehen der Schrauben die Bleche sich geringfügig verschieben, was ein Schleifen des Ankers zur Folge hat.
Wenn also das Werk nicht "läuft" ist hier die Ursache zu suchen.
Helsper

besra
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Re: Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von besra » Do 20. Mär 2014, 10:37

Hallo Helsper,

vielen Dank für den ausführlichen Kommentar zu dieser Uhr und insbesondere zum Werk!
Dann ist die Uhr jedenfalls noch älter, als ich gedacht hätte. Die ca. 60 Jahre sieht man ihr nicht an.
Der Hinweis auf die Schleuderscheibe ist sehr interessant, das habe ich nicht gewusst. Habe mich zwar über die Verkapselung des Ankers gewundert, diese aber nicht geöffnet, da ich darunter nichts besonders vermutet habe, auch keinen Schmutz, da das Werk ohnehin recht sauber war. Nun, dann werde ich mir diese Stelle tatsächlich noch einmal ansehen.

Besten Dank und viele Grüße
Bernd

Stefan219
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Re: Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von Stefan219 » Do 2. Mai 2019, 13:12

Hallo Bernd,
hallo Mitlesende,

ich stehe aktuell vor einem ganz ähnlichen Projekt (siehe Bild) und wäre daher für folgende weitere Hinweise bzgl. der Aufarbeitung der Messingteile dankbar:

1. "Reinigungsbad" --> ein gewöhnliches Wasser-/Spüli-Bad oder etwas Spezielles für Messing?
2. Politur --> ich verwende normalerweise eine Edelmetallpolitur von Sidol; gibt es Erfahrungen mit anderen Mitteln? Und hast Du per Hand oder mit einem Hilfsmittel (z.B. Dremel) poliert?
3. Das Firmenlogo ist anscheinend aufgeklebt. Hast Du Dich an einer Ablösung versucht?

Vielen Dank für Tipps und Grüße
Stefan
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besra
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Re: Eine TN (Schmuck-)Nebenuhr

Beitrag von besra » So 12. Mai 2019, 19:18

Hallo Stefan,

tja, das Reinigungsbad, das hätte ich damals hier beschreiben sollen, denn aktuell weiß ich nicht mehr ganz genau, was ich verwendet habe. Es war eine Mischung aus Wasser, Essig und Salz meine ich. Eine Anleitung habe ich dazu bestimmt irgendwo aus dem Netz gefischt... Leider kann ich Moment nichts weiter dazu sagen, aber vielleicht finde ich noch etwas in meinen Aufzeichnungen oder in den Lesezeichen meines Browsers.

Die Wirkung war jedenfalls recht gut, wie man auf dem einen Foto sieht. Den letzten Glanz (und die rötliche Verfärbung bedingt durch meine chemische Reinigung weg) bekommt man aber nur durch Polieren. Ausschließlich Polieren wollte ich nicht, denn da habe ich schnell bemerkt, dass die ursprüngliche Optik des gebürsteten Messing sehr darunter leidet. Man bekommt dann eben einen Hochglanz, der im Original nicht vorhanden war.
Deshalb also erst die Reinigung, dann eine vorsichtige, wahrscheinlich am besten manuelle Politur. Ich habe das tatsächlich mit einem Dremel (bzw. einer Proxxon) gemacht, weil mir die Handpolitur nach wenigen Teilen zu mühselig erschien.
Wenn ich mich recht erinnere, wurde hier im Forum einige Male eine Messing bzw. (Edel-) Metall-Politur von Mellerud hoch gelobt.
Ein ideales Reinigungsbad, bei dem man nicht nachpolieren muss, wäre natürlich optimal. Irgendwo hier im Forum müsste sich da schon etwas zu finden, möglicherweise in Verbindung mit einem Ultraschallbad (das ich nicht habe :oops: ).

Ich hoffe etwas weiter geholfen zu haben aber auch, dass sich noch jemand mit viel Reinigungserfahrung hier meldet.

Viele Grüße
Bernd

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