meine Sekundenpendeluhr von Hermle

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Xotzil
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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Xotzil » So 17. Okt 2021, 08:19

Hallo zusammen,

mittlerweile ist meine Bewunderung für die Hermle Kingsland deutlich gedämpft worden. Zugegebenerweise scheint der Aufhängungsort nicht 100%ig ideal zu sein. Es ist eine Außenwand in einem 70er-jahre Fertighaus (Holzständerwerk), ab und zu kommen ein paar Sonnenstrahlen durch das Fenster auf die Uhr und die Raumtemperatur schwankt im Tag-/Nacht-Rhythmus.

Aber: Diese Uhr hat es noch nicht geschafft, länger als eine gute Woche durchzulaufen bevor sie stehen bleibt. Das Gehäuse hängt absolut im Lot, das Pendel steht im Ruhezustand genau auf der "0" der Pendelskala. Wie durch Zauberhand schient sich die Justierung des Ankermitnehmers zu verstellen. Nun hatte ich das Pendel noch einmal so eingestellt, dass links und rechts beim gleichen Ausschlag das "Tick" ertönt und mit einem klitzekleinen Hauch flüssiger Schraubensicherung gesichert. 5 Tage lief die Uhr, heute Morgen stand sie wieder.
Ich bin ratlos.

Hat jemand einen tipp für mich?

Viele Grüße
Andreas (Xotzil)

steffl62
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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von steffl62 » So 17. Okt 2021, 09:16

Hallo Andreas,
das sollte sich ein guter Uhrmacher der mit Großuhren Erfahrung hat ansehen. Möglicher weise lag die Uhr schon ein paar Jahre auf Lager ehe Du sie geliefert bekommen hast und das damals verwendete Öl ist mittlerweile verharzt. Bei Monatsläufern ist die Kraftübertragung zu der Hemmung oft ein bisserl empfindlich. Du könntest auch mal versuchen beim Verkäufer direkt anzurufen, eventuell sind die ja kulant und können das als Garantiefall behandeln. Wie stark ist denn die Amplitude wenn das Pendel eingeschwungen ist? Hat sich der Abfall vorher von selbst verstellt?

lg Christian
.
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Altfrid
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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Altfrid » Mo 18. Okt 2021, 12:20

Hallo Andreas,
die Uhr hat eine Trommel auf der das (Stahl) Seil aufgewickelt wird/ist.
Kommt es zu einer Entlastung des Seils, so könnte es geschehen, daß eine Lage sich unter eine andere Lage verschiebt.
Wird dann das Seil wieder auf Spannung gebracht, so blockiert irgendwann die eine Seillage die andere und die Uhr bleibt stehen.

lg Altfrid

Uroboros
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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Uroboros » Mo 25. Okt 2021, 10:42

Xotzil hat geschrieben:
So 17. Okt 2021, 08:19
Diese Uhr hat es noch nicht geschafft, länger als eine gute Woche durchzulaufen bevor sie stehen bleibt. Das Gehäuse hängt absolut im Lot, das Pendel steht im Ruhezustand genau auf der "0" der Pendelskala. Wie durch Zauberhand schient sich die Justierung des Ankermitnehmers zu verstellen.
Zunächst wäre zu klären, ob der verstellte Abfall die Ursache oder die Folge des Stehenbleibens ist. Letzteres wäre nicht ungewöhnlich: Wenn die Amplitude des Pendels beim Stehenbleiben immer kleiner wird und die Zahnspitze es nicht mehr schaft, die komplette Hebefläche der Palette zu durchlaufen, drückt das schwere Pendel anschließend voll auf die Zahnspitze. Das Durchrutschen der Gabel wäre dann eine Sicherheitsvorrichtung, um das Steigrad in diesem Fall nicht zu beschädigen.

Moritz

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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Altfrid » Di 26. Okt 2021, 19:16

Hallo Andreas,
ich komme nochmals zurück zum Antrieb der Uhr. Von meiner Kingsland habe ich ein Foto von der Seiltrommel gemacht. es befinden sich 6 oder 7 Wicklungen maximal auf der Seiltrommel. Somit entspricht eine Woche in etwa ein Umdrehung der Seiltrommel was somit die Uhr zum 31 Tage Werk macht. Ich sehe daher das Problem "Stop nach einer Woche" im Bereich der ersten Achse, der Trommel, dem Bodenrad, dem Seil bzw der Kunstoff Seilführung die das Seil auf der Trommel führt/drückt. Alle anderen Bauteile der Uhr führen mehr als eine Umdrehung in 5 Tagen aus. Wobei der Anker mit mehr als 7000 Eingriffe in die Graham-Hemmung der Spitzenreiter ist.

lg Altfrid
Seiltrommel.jpg
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Xotzil
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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Xotzil » Do 23. Dez 2021, 10:22

Hallo Altfrid,

sorry, dass ich mich jetzt erst melde.
Irgendwie komme ich mit meiner Kingsland nicht weiter. Der Händler (Uhrmachermeister) meinte auf Grundlage eines Handyvideos, dass ich ihm schickte, die Uhr habe einen Abfallfehler und ich sollte über die Gewindestange den Anker besser zentrieren.
Ich habe daraufhin ein kleines Mikrofon ans Uhrwerk gesetzt und das Ticken der Uhr aufgenommen und die Abstände zwischen Einfall-Tick und Ausfall-tack ausgemessen und das Pendel so eingestellt, dass die Abstandsunterschiede max. 10 Millisekunden betragen. Da meine Trockenbauwand, an der die Uhr hängt, nicht ideal ist, habe ich unten in den Uhrenkasten eine Maschinenwasserwaage gelegt (Ein Teilstrich der Libelle entspricht einer Schieflage von 0,02mm auf einem Meter Länge) Die Uhr ist ausgerichtet, aber sie bleibt sporadisch stehen.

Was mir auffällt: Bei der Pendelbewegung nach links (Eingangsfall(?)) bewegt sich der Sekundenzeiger wesentlich schneller als bei der Pendelbewegung nach rechts (Ausgangsfall(?)). Ist das normal oder ist das ein Hinweis auf einen falschen Achsenabstand von Anker und Hemmungsrad?

Ich habe auf Youtube einen uralten Film https://www.youtube.com/watch?v=uX8cTzZIPPA gefunden und bin kurz davor Fühlerblattlehren an die Uhr zu halten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Hermle eine Uhr mit fehlerhaften Abstand Anker-Hemmungsrad verschickt. Dummerweise kann ich die Uhr auch nicht "mal eben" zum Händler bringen, das war ein Kauf per Speditionsversand.

Auf der anderen Seite kann ich mir auch nicht vorstellen, dass eine Grahamhemmung so empfindlich ist. Die alte DUFA-Standuhr meiner Großeltern (Oma war Jahrgang 1894) hat min. 10 Umzüge überlebt und läuft noch.

Auf Anraten meines Händlers habe ich von ein paar Tagen das Uhrwerk noch einmal herausgenommen und alle befestigugnen auf festen Sitz überprüft. Danach lief die Uhr tagelang, ging aber nach. Bei der Kontrolle habe ich festgestellt, dass ein 265mg-Gewicht vom Huygensschen Läufer fehlte. Das habe ich wiedergefunden und im laufenden Betrieb wieder mit einer Pinzette auf seinen Platz gestellt, danach blieb die Uhr wieder zwei mal stehen.

Die Kingsland bring mich zur Verzweiflung.

Viele Grüße und ein frohes Fest
Andreas

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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Uroboros » So 26. Dez 2021, 10:19

Xotzil hat geschrieben:
Do 23. Dez 2021, 10:22
Was mir auffällt: Bei der Pendelbewegung nach links (Eingangsfall(?)) bewegt sich der Sekundenzeiger wesentlich schneller als bei der Pendelbewegung nach rechts (Ausgangsfall(?)). Ist das normal oder ist das ein Hinweis auf einen falschen Achsenabstand von Anker und Hemmungsrad?
Schneller oder weiter?

Moritz

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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Altfrid » Di 28. Dez 2021, 11:33

Hallo Andreas,
vorweg, ich habe eine KINGSLAND und eine GREENWICH, beide Uhren besitzen die gleiche Einstellung für den Anker.
Die GREENWICH hatte Probleme mit der Einstellung.
Zuviel SPIEL an der Umlenkung.
Ich habe einmal die Einstellvorrichtung/Umlenkung der KINGSLAND abgelichtet.
Auf dem Foto, der gelbe Pfeil zeigt die Umlenkung, sind die beiden Stellen mit einem roten Pfeil markiert, die Problemstellen.
ZUVIEL SPIEL an meiner GREENWICH führte dazu, dass ich ein gleichmäßiges TICK/TACK zwar einstellen konnte, dies aber kurze Zeit später wieder verloren war.
Lösung: SPIEL BESEITIGEN
Also habe ich hinter den Sprengringen etwas Zwirnfaden gewickelt. Nein, keine Lösung eines Uhrmachers würdig, aber sie FUNKTIONIERT.
BESTENS - und sie beeinträchtigt nicht das Werk und das Einstellen wird sehr feinfühlig!
Also Pendel einmal an der Umlenkeinrichtung überprüfen, SPIEL beseitigen und dann sollte das Problem beseitigt sein.
Überprüfe auch noch die anderen Stellen an denen ein SPIEL auf der Verstellung entstehen könnte.

Gruß und ein gutes NEUES JAHR 2022
Altfrid
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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von Xotzil » Fr 14. Jan 2022, 09:49

Auch von mir Allen ein frohes Neues Jahr

Es gibt ein Update:
Nach dem ganzen hin-und-her mit meinem Händler habe ich den Zustand meiner Uhr per Mängelrüge reklamiert.
Kurzum: Der Händler hat Hermle eingeschaltet, ich erhielt einen Rückruf vom Kundendienst. Auf die Schilderung "Uhr bleibt sporadisch stehen, läuft hin und wieder 1-2 Stunden, auch mal 2 Wochen am Stück", war seine Ferndiagnose klar "Da klemmt ein Kugellager, das Uhrwerk bitte einmal zu uns".

Am Wochenende werde ich das Paket auf die Reise schicken.

Schade, dass der Uhrmachermeister, der mir die Uhr (im Streckengeschäft) geliefert hatte, so lange mit sinnlosen Aufgaben (genauestes Ausrichten, Fernhalten von Vibrationen) beschäftigt hatte. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass es nur an mir liegen sollte, dass ein Monatsläufer bisher max. 2 Wochen durchlief.

Ich gebe euch ein Update sobald das Werk wieder zurück ist.

Viele Grüße
Andreas

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Re: meine Sekundenpendeluhr von Hermle

Beitrag von steffl62 » Fr 14. Jan 2022, 10:43

Super, danke für den Zwischenbericht!

lg Christian
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