Eine alte Stempeluhr

alle anderen Uhrentypen
Antworten
steffl62
Beiträge: 764
Registriert: Sa 21. Aug 2010, 09:47
Wohnort: Wien

Eine alte Stempeluhr

Beitrag von steffl62 » So 16. Dez 2018, 18:10

Heute wollen wir euch eine schöne, alte, französische Stempeluhr vorstellen:
IMG_0173klein.JPG
Sie wurde anscheinend von der Firma Lambert in Valenciennes verkauft und von Bürk hergestellt.
IMG_0174a.JPG
Und so hat das Zifferblatt ausgesehen bevor es Silvia zwischen die Finge bekam:
s-l1600a.jpg
Und so danach:
IMG_0178klein.JPG
Angetrieben wird die Uhr von einem großen und sehr schweren Werk mit zwei mächtigen Fedehäusern:
IMG_0143klein.JPG
Zu meinem großen Ärgernis lässt sich das Werk nicht einfach aus dem Tragstuhl ausbauen, denn damit es ist fix verschraubt. Dann kommt noch dazu, dass zwei der Schrauben von den Federhäusern verdeckt sind. Die einzige Möglichkeit um an die gebrochene Pendelfeder ran zu kommen ist, den gesamten Tragstuhl aus dem Gehäuse zu entfernen. Damit das aber auch nicht so einfach geht, muss man als erstes mal die Zeiger entfernen damit man dann anschließend das Zifferblatt abschrauben kann. Das ist nämlich nicht wie gewöhnlich am Werk montiert sondern auf einer schön geschnitzten Holzplatte mit 5 großen Schrauben direkt am Uhrenkasten. Erst jetzt kommt man an das Werk. Schon um nur das Pendel ein oder aushängen zu können müssen Zeiger und Zifferblatt komplett entfernt werden
IMG_0161klein.JPG
Dafür sind zwei große Fenster in den beiden Platinen damit man dabei wenigstens durch sieht.
Die beiden großen Federhäuser wirken auf je ein Zwischenrad und diese beiden dann gemeinsam auf das Minutenrad und ein Kegelrad. Von dem Kegelrad geht die Kraftübertragung dann weiter über eine Kardanwelle zum Stempelmechanismus. Also offensichtlich ein Monatsläufer, sehr ungewöhnlich für eine Stempeluhr.
IMG_0147klein.JPG
So sieht dann das Stempelwerk aus:
IMG_0151klein.JPG
Soweit ich das bis jetzt sehen konnte wird hier nur die Uhrzeit, kommen oder gehen und ein Name oder Kurzzeichen auf einen Papierstreifen gestempelt.
Der Name dürfte wohl auf einem Metallstück stehen das vom Angestellten von vorne durch das Loch in den Stempelmechanismus gesteckt wurde. Das sind die Walzen für die Zeitstempel:
IMG_0153klein.JPG
Und hier der Umschalter für kommen und gehen:
IMG_0170klein.JPG
Hier noch ein Link zur Firma Lambert in Watchwiki: https://watch-wiki.org/index.php?title= ... rs_Lambert
Besonders spannend finde ich hier das 3. Foto wo man erkennen kann das diese Stempeluhren anscheinend auch im Freien montiert wurden.

Was auch noch ungewöhnlich ist, sind die Bild und Wortmarken am Werk und auf dem Gehäuse:
IMG_0141a.JPG
IMG_0166klein.JPG
Da steht "BÜRK" darauf und ein Bildmarke, die laut Mikrolisk zu "Württhembergischen Uhrenfabrik Bürk & Söhne gehört" gleichzeitig steht auf dem Zifferblatt und der Vordertür "Bundy" das deutet auf die Bundy Manufacturing Co. Amerikanische Kontrolluhrenfabrikation, gegründet 1889
Die Erklärung dazu: Im Jahr 1900 gründete Bürk mit dem US-amerikanischen Uhrenhersteller Bundy die International Time Recording Co. (ITR), aus der später durch Fusionen die International Business Machines Corporation (IBM) hervorging. Also ist das hier eine sehr frühe IBM. :D
lg Silvia und Christian
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
.
Fragen, Korrekturen und Ergänzungen zu meinen Beiträgen sind ausdrücklich erbeten und gewünscht!

Barney Green
Beiträge: 99
Registriert: Di 25. Jul 2017, 22:55

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von Barney Green » Mo 17. Dez 2018, 08:57

Hallo ihr beiden,

danke für die tolle Vorstellung dieser interessanten Uhr. Wirklich ein hochinteressantes Stück, was ihr da in eurer Sammlung habt, ich bin begeistert.
EIn frühe IBM :-), das ist mal was.

Beste Grüße
Barney

petsch
Administrator
Beiträge: 1712
Registriert: So 15. Aug 2010, 18:10

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von petsch » Mo 17. Dez 2018, 14:26

Hallo Christian,
tolle Uhr, die Ihr da vorstellt. Interessante Ausführung einer Kontrolluhr, die man ja sonst hauptsächlich in ihrer tragbaren Ausführung als Nachtwächterkontrolluhr kennt.
Ob die verzierte mit Schnörkeln versehene Uhr wohl hauptsächlich für den französischen Markt bestimmt war ? Sonst sieht man technische Uhren ja fast nur in schlichten Gehäusen.


Über die Geschichte von Bürk und seinen/ihren Uhren muss ich unbedingt wieder etwas mehr lesen. Hatte mich damit vor mehr als 20 Jahren schon mal beschäftigt, aber leider vieles wieder vergessen. Vor allem würde mich auch interessieren, wie die Zusammenarbeit stattfand zwischen Bürk, Bundy und Lambert. Das waren ja alle drei anscheinend Kontrolluhrfabrikanten.

Ich habe gestern verzweifelt nach alten Fotos gesucht, denn ich hatte damals mal eine sehr ähnliche Uhr von Bürk, die den damaligen, aber vor einigen Jahren verstorbenen Kontrolluhrenfachmann Werner Schmid sehr interessiert hat. Ich sollte und habe ihm damals auch Fotos der Uhr geschickt, kann meine Fotos davon aber heute leider nicht mehr wiederfinden. Dummerweise kann ich mich nicht mehr erinnern, ob sie auch die Bundy-Signierung hatte oder ob nur Bürk darauf stand. An einen französischen Namen kann ich mich aber überhaupt nicht erinnern.
Auf jeden Fall hatte sie auch den Mechanismus, dass man mit einem Schlüssel einen Zeitstempel setzen konnte, wie eine der von Bürk bekannten tragbare Stempeluhren (Nachtwächterkontrolluhren) und das hatte ich bis dahin noch nie bei einer großen Uhr gesehen. Und auch seitdem ist mir wissentlich so eine Uhr noch nicht wieder über den Weg gelaufen. Das heisst zwar nicht unbedingt etwas, weil ich auch nicht speziell danach gesucht habe, aber zeigt doch, dass es keine Uhren sind, die einem häufig begegnen.

Gruß
Peter

petsch
Administrator
Beiträge: 1712
Registriert: So 15. Aug 2010, 18:10

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von petsch » Mo 17. Dez 2018, 15:14

Ich habe gerade eine Erklärung gefunden, wie es zu dieser Zusammenarbeit zwischen Bundy und Bürk gekommen ist. Ich hoffe, ich hab einen Hinweis darauf bei Euch nicht übersehen.
Dieser Artikel stammt von dem von mir vorher erwähnten Werner Schmid und ist in der Jahresschrift der DGC aus dem Jahr 2000 erschienen.

Darin heisst es unter anderem, dass Bürk diese Uhren wohl zuerst für die amerikanische Firma Bundy in Lizenz baute und hier vertrieb.

Überhaupt ist es interessant diesen Artikel zu lesen, der zeigt wie sich die Anwesenheitskontrolle der Fabrikarbeiter entwickelte.

Hier ist ein Link zu diesem Artikel : http://www.kontrolluhren.de/download/zeiterfassung.pdf

Gruß
Peter

steffl62
Beiträge: 764
Registriert: Sa 21. Aug 2010, 09:47
Wohnort: Wien

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von steffl62 » Di 18. Dez 2018, 08:02

Vielen Dank für den Link Peter!
Ich werde mir den Artikel bei nächster Gelegenheit vornehmen, ist nur leider gerade etwas stressig. ;)

lg Christian
.
Fragen, Korrekturen und Ergänzungen zu meinen Beiträgen sind ausdrücklich erbeten und gewünscht!

Benutzeravatar
derTeichfloh
Beiträge: 190
Registriert: Mo 8. Okt 2012, 09:35
Kontaktdaten:

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von derTeichfloh » Di 18. Dez 2018, 17:40

Hallo,

vielen Dank für die Vorstellung!
Das Werk ist ja ein Brocken. Ich hab mit vorgestellt, wie es sich auswirkt, wenn eine Feder reißt! Da geht glatt ein Vorschlaghammer durchs Werk!

mfg
derTeichfloh
HolzZahnRadUhrenSammler

steffl62
Beiträge: 764
Registriert: Sa 21. Aug 2010, 09:47
Wohnort: Wien

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von steffl62 » Mi 19. Dez 2018, 07:39

Ja, die beiden Federhäuser sind schon sehr beeindruckend. Das sind Dimensionen wie ich sie normalerweise nur von alten Grammophonen oder auch Bratenwendern kenne. Bin schon gespannt wie sich mein Federwinder damit tun wird.

lg Christian
.
Fragen, Korrekturen und Ergänzungen zu meinen Beiträgen sind ausdrücklich erbeten und gewünscht!

Benutzeravatar
derTeichfloh
Beiträge: 190
Registriert: Mo 8. Okt 2012, 09:35
Kontaktdaten:

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von derTeichfloh » Mi 19. Dez 2018, 17:11

steffl62 hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 07:39
Ja, die beiden Federhäuser sind schon sehr beeindruckend. Das sind Dimensionen wie ich sie normalerweise nur von alten Grammophonen oder auch Bratenwendern kenne. Bin schon gespannt wie sich mein Federwinder damit tun wird.

lg Christian
... ich schätze mal: SCHWER ! :!:


mfg
derTeichfloh
HolzZahnRadUhrenSammler

MartinMagneta
Beiträge: 4
Registriert: Di 5. Feb 2019, 21:11
Wohnort: Aargau, Schweiz

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von MartinMagneta » Mo 1. Apr 2019, 18:03

Hallo
Habe soeben den Beitrag über die Bürk/Bundy Stempeluhr gelesen. Habe auch eine solche Uhr. Die Zeiterfassung der Arbeiter erfolgte mit einem Schlüssel, wie bei den Nachtwächteruhren von Bürk. Jeder Mitarbeiter hatte einen zugeortneten Schlüssel mit einer Nummer drauf. Der Schlüssel wurde eingesteckt und nach rechts gedreht. Dabei wurde die Nummer des Arbeiters und die Zeit auf einen etwa 2 cm breiten Papierstreifen gedruckt. Am Tages- oder Wochenende wurde der bedruckte Teil des Papierstreifens aus der Uhr genommen und entsprechend ausgewertet. Muss vermutlich eine aufwendige Arbeit gewesen sein, bei den vielen Zahlen. Nachteil dieses Systems war, dass der Mitarbeiter nicht gesehen hat, was die Uhr auf den Streifen druckte. Parallel zu diesem Schlüsselsystem wurde dann das Kartensystem eingeführt und immer beliebter, weil da die Arbeit der Stempeluhr sichtbar wurde.
Gerne hätte ich ein Foto solcher Schlüssel beigelegt, weiss als Neumitglied aber noch nicht wie.
Viele Grüsse, Beat

steffl62
Beiträge: 764
Registriert: Sa 21. Aug 2010, 09:47
Wohnort: Wien

Re: Eine alte Stempeluhr

Beitrag von steffl62 » Sa 6. Apr 2019, 09:52

Hallo Beat,
vielen Dank für Deinen Beitrag!
Ich würde mir die Schlüssel gerne nachbauen. Also wäre es ganz toll wenn Du doch Fotos und Maße hier einstellen könntest.
Falls das aber nicht klappt schick ich Dir noch meine eMail adresse per PN.
lg Christian
.
Fragen, Korrekturen und Ergänzungen zu meinen Beiträgen sind ausdrücklich erbeten und gewünscht!

Antworten